der Verdeutschung.
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Wörtern behaupten wollen? Und wird, wenn er dis auch wollte und könnte, das nämliche zugleich von allenoder nur von den meisten ausländischen Wörtern, auch den Grichischen und Lateinischen, gelten, die mir bishermißbräuchlich unter die Deutschen gemischt haben?
Dis also die Unrichtigkeiten; und nun die Irrthümer.
1. Es gilt, nach allen meinen Erfahrungen, nicht einmahl von jenen drei Französischen Wörtern, daß ihreTöne fast keinem Deutschen Ohre mehr fremd klingen, und daß ihre Aussprache den wenigsten Deutschen mehrMuhe macht. Den allermeisten Deutschen -, den untern Volksklassen nämlich, sind sie noch bis heute völlig fremd; unddie allermeisten können das ge in genie gar nicht einmahl aussprechen. Wie viel weniger wird das Nämliche von sovielen Hunderten Grichischcr, Lateinischer und Französischer Wörter gesagt werden können, die von unserer Sprach-ähnlichkeit noch viel weiter abweichen!
2. Es gilt, nach allen meinen Erfahrungen, jene Behauptung, wofern sie nicht ausdrücklich auf die drei ge»wählten Französischen Wörter allein eingeschränkt werden, sondern auch auf andere ausländische Wörter, die unsereSprache bisher verunstalteten, ausgedehnt werden soll, nicht einmahl von allen, kaum von den meisten Personen ausden sogenannten gesitteten Ständen unter uns— wie viel weniger von allen Deutschen! — vorausgesetzt, daßwir nicht bloß diejenigen, die einer feinern, ganz oder halbgelchrten Erziehung genossen, sondern auch jene wohlge-sitteten, rechtlichen und artigen Familien in Städten und auf dem Lande dazu rechnen wollen, die oft, ich dürfte ge-meiniglich sagen, mehr sittliche Veredelung zeigen, als beiden feinsten Weltleuten gefunden zu werden pflegt.Unter diesen gibt es eine gar große Menge, welche nie die Französische oder irgend eine andere fremde Sprache lern-ten, welchen also auch die meisten ausländischen Wörter, selbst die obigen drei, sehr fremd klingen, und welche vie-le dieser Wörter, wie z. B. Genie, nur unvollkommen, viele gar nicht oder doch nur so fehlerhaft aussprechen kön-nen, daß man Mühe hat, sie in ihrem Munde für diejenigen Wörter zu erkennen, welche gemeint werden. Ich be-rufe mich hierüber dreist auf alle, welche diese Klasse durch Umgang kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben.
Aber gesetzt nun auch, das Zeugniß derer, worauf ich mich hier berufe, fiele nicht für, sondern wider michaus; gesetzt, daß nicht bloß die obigen drei, sondern alle unserer Sprache eingemischte ausländische Wörter ausallen Sprachen, allen Deutschen, bis zum niedrigsten Landbauer hinab, jetzt wirklich nicht mehr fremd klängen,und baß die Aussprache derselben keinem in ganz Deutschland mehr, die geringste Mühe machte: so wäre dadurch fürGarvenS Sache doch immer noch nichts gewonnen, für die meinige dadurch immer noch nichts verloren, solange nichtgezeigt werden kann, daß ich auch darin Unrecht habe, wenn ich mit großer Zuversicht behaupte; daß die allermei-sten von jenen ausländischen Wörtern, besonders diejenigen, welche nichts sinnliches, sondern etwas abgezogenes be-zeichnen, von der großen Volksmasse in Deutschland, entweder gar nicht, oder doch nur dunkel undverwirrt verstanden werden können, und daß also die Aufklärung und Veredelung des größten Theils derDeutschen, durch den Gebrauch jener Wörter in den Reden und Schriften derer, welche auf das Volk wirken könn-ten und sollten, nothwendig gehindert werden muß. Dis ist es, worauf in meinen Augen hier alles ankommt; dasUebrige betrifft nur Nebensachen. Und hier muß ich also diejenigen auch erwarten, welche unserer bisherigen Sprach-vermischung vor dem Richterstuhle der Vernunft noch ferner das Wort reden zu dürfen glauben werden.
Das Urtheil, womit Garve diese Betrachtung schließt, füge ich bloß deswegen bei, damit nicht jemand sa-gen möge: ich hätte die Behauptung desselben verstümmelt vorgetragen.
„Solche ausländische Wörter mit einheimischen z» vertauschen, würde zwar an sich die Reinigkeit unsererSprache erhöhen: aber es würde nicht ohne Aufopferung in der Deutlichkeit solcher Ideen (Bcgriffc) gesehen können,welche uns durch den langen Gebrauch unentbehrlich geworden sind, (dis auch dann, wenn man, meinem Rathe gemäß, ei-ne Zeitlang sich bequemte, das ausländische Wort dem an feine Stelle getretenen Deutschen eingeklammert beizufügen?) und cs würdedoch der empfundenen Annehmlichkeit der Rede, worauf am Ende alles (?) ankommt, nur wenig zusetzen."
Angenommen, daß es ihr gar nichts zusetzte; angenommen sogar, daß die Annehmlichkeit der Rede, in soferndiese vom Wortklange herrührt, in einzelnen Fällen, wirklich dabei verlöre: was wäre denn, nach der Schätzungdes Weisen, nach eines Garven Schätzung, dieser Verlust gegen den tausendmahl größern, gegen den an Begrif-fen, und zwar an wichtigen Begriffen, folglich an Aufklärung und Ausbildung, welchen der Gebrauch jener auslän-dischen Wörter für unsere ganze große Volksmasse unvermeidlich mit sich führt!
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III.