Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
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der Verdeutschung.

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mernversiändlichs Ausdrücke gekleidet worden sind: so folgt, daß die allgemeine Verständlichkeit der Wörter und Re-densarten, als die Hauplbedingung zur Erreichung des letzten Zwecks der Sprache, auch der Sprache erstes undheiligstes Gesetz sein müsse.

Nun ist aber, wie ich drittens sagte, sowol an sich selbst begreistich, als auch durch die Erfahrung bewiesen,daß ausländische Wörter, vornehmlich solche, welche unsinnlichc Begriffe bezeichnen,entweder nie, oder doch höchstschwer und langsam in die Volkssprache übergehen, und,wofern dieses endlich denno.ch geschieht, keine andere als dunkle, verworrene oder ganzunrichtige Begriffe zu erwecken pflegen. Der Grund dieser Beobachtung ist folgender: ein ausländi-sches Wort, besonders ein solches, welches etwas unsinnliches bedeutet, bietet demjenigen, der die Sprache, worauses genommen ist, nicht versteht, keine einzige Beziehung dar auf das, was dadurch ausgedruckt werden soll. Eck istfür ihn ein durchaus bedeutungsloses und ganz willkürliches Zeichen, an dessen Stelle eben so gut für ihn wenig-stens jeder andere völlig sinnlose Laut, z. B. Abrakadabra oder desgleichen, gesetzt werden könnte, ohne daßdie Unverstandlichkeit dadurch nur im mindesten vergrößert würde. Er muß es also eben so schwer finden, ein solchesWort seinem Gedächtnisse einzuprägen, als etwas bestimmtes dabei denken zu lernen. Sollte das letzte geschehn, s»müßte er, wenigstens eine Zeitlang, so oft er es hörte, jedesmahl die ganze, ihm völlig willkührlich scheinende Erklä-rung des Worts in Gedanken wiederholen; eine Zumuthung, die, besonders an solche Köpfe gemacht, welche keineFertigkeit im abgezogenen und allgemeinen Denken haben, für eine Foderung des Unmöglichen gelten kann. Um diSrecht überzeugend und anschaulich zu empfinden, verläugnc man doch einmahl, wenn man kann, einen Augenblick sei-ne eigene ausländische Sprachkcnntniß, und seßesich ganz in die Stelle derer, welche in dem Falle sind, keine ande-re als ihre Muttersprache zu verstehen; oder, wofern uns diese Selbstvcrlaugnung unmöglich ist: so setze man doch ein-mahl in Gedanken an die Stelle der uns so gewöhnlichen Grichischen und Lateinischen Wörter, H y p o t h ese, Sub-ject u.s. w. völlig sinnlose Laute., z. B. Tipstaps, Hurliburli oder desgleichen; und frage sich dann selbst:ob wir dergleichen Wortungeheuer besonders wenn ihrer so viele waren, als unsere Schriftsprache ausländischeWörter zählt uns jemahls so geläufig würden machen können, daß wir beim Hören oder Lesen derselben die da-mit zu verbindenden Begriffe, eben so bestimmt und deutlich, und eben so schnell, als bey jenen, zu denken im Stan-de wären? Ich bin überzeugt, man wird, wo nicht die Unmöglichkeit, doch die unendlich große Schwierigkeit einessolchen Unternehmens fühlen. Und was nun uns, die wir im Denken überhaupt, und im abgezogenem Denken inson-derheit, geübt und fertig sind, eine beinahe unüberwindliche Schwierigkeit scheinen würde, das wollten wir den Unge>lehrten, das wollten wir den undenkenden sinnlichen Volksköpfen zumuthen? Wie unbillig!

Und was folgt nun aus dieser Auseinandersetzung? Dieses: daß, wenn wir unsere Kenntnisse und Einsichten«us den Studierzimmern und aus Büchern, die nur für Gelehrte geschrieben sind, in die Welt oder unter dackVolk zu bringen wünfchen und welches würdigere und gemeinnützigere Ziel kann der denkende und wohlwollendeSchriftsteller sich jemahls aufstecken? wir nicht zu sehr und nicht zu einmüthig dahin streben können, unsere Spra-che, so viel es möglich und thunlich ist, von allem fremd-artigen, besonders von solchen ausländischen Wörtern, wel-che unsinnliche Begriffe bezeichnen, zu reinigen, und sie nach allen ihren Theilen in eine vollkommene Uebereinstim-mung mit sich selbst zu bringen. Nur dann erst wird eine allgemeine Volksaufklärung über die wichtigsten Angelegen-heiten des Menschen und des Bürgers, unter uns möglich sein und in der That bewirkt werden können, wenn wireine Sprache haben werden, die es thunlich macht, über jene großen Angelegenheiten aus eine für alle verständ-liche Weise, also ohne Einmischung fremder Wörter, zu reden.

Ich bin überzeugt, daß der Mangel eines recht bedeutenden, und zwar echtdeukschett Worts für das unschick-liche ausländische Religion"), zu den Haupthindernissen gehöre, welche die Volksaufklarung über diesen Gegen-stand am meisten erschwert und aufgehalten haben, und noch lange aufhalten werden so sonderbar dis manchem,der noch nie darüber nachgedacht hat, auch immer klingen mag. Denn da dieses fremde Wort eins von denen ist,die den Ungclehrtcn keine bedeutende, sondern nur sinnlose Töne hören lassen, mit welchen er einen>- und zwarwohlgemerkt! nicht sinnlichen, sondern allgemeinen Vernunftbcgriff, verbinden soll, auf welchen das für ihn sinn-lose Wort ihm ganz und gar keinen Bezug darbietet: so ward es seinen Führern in den Zeiten der geistlichen Volks-Täuschung leicht, ihn das, was sie wollten, und so viel sie wollten, und so verwirrt sie wollten, zu diesem Worte

B 3 hin-

*) Es ist merkwürdig, daß dieser Wert, nach Tellers Bemerkung, in der gansin Deutschen Bibel tiur jwei'mahl, und zwar in deutvon Luthern nicht übersetzten Buche der Macc. 2, 32 u. 3, 6. vorkommt.