Vorrede.
XI
haß ick hie oder da, besonders in Gegenden, wo ich nicht zu Hause bin, in dem Vertrauen auf die Zu-verlässigkeit eines anerkannt zuverlässigen Gewährmannes zu weit ging, und gegen Menschlichkeiten dieserArt nicht immer sorgsam genug auf meiner Hur war. Möglich auch, oder vielmehr sehr wahrscheinlich,daß auch mir hin und wieder dergleichen Menschlichkeiten, von welchen bis heute keiner, am wenigsten beiArbeiten von solchem Umfange und von solcher Mannigfaltigkeit der Gegenstände, frei geblieben ist, zuge-stoßen sein mögen. Bei diesen werden denn aber billige Richter sich des: Homo sum—, in dem hrer pas-senden Sinne genommen, schon von selbst erinnern. —
Man wird, und ich hoffe, nicht zu meiner Unehre, bemerken, daß ich seit meinen ersten Versuchen,zur Reinigung unserer so sehr verunreinigten Sprache mitzuwirken, auf der Stelle, wo ich damahls stand,mcht stehen geblieben bin. Ich habe seit jener Zeit so ziemlich alles, was schon vorher von andern ffczugeschehen war und seitdem geschehen ist, mir bekannt zu machen gesucht, und mit meinen eigenen Vorschla-gen sorgfältig verglichen. Ich habe mit jedem meiner ehemahligen Vorschläge zu wiederholten mahlen diestrengste Prüfung vorgenommen; ich habe die Erinnerungen, welche mir von andern darüber gemacht wur-den, sobald sie zu meiner Kenntniß kamen, mit der größten Bereitwilligkeit mich belehren zu lassen, benutzt;und der Erfolg ist gewesen, daß ich manche^ meiner frühern Wortbildungen für mißratene erkannt und,nicht bloß stillschweigend, sondern mit ausdrücklicher Anzeige meines Irrthums, offen und ehrlich zarückge-nornmen habe. Es thut mir leid, daß dis für einige unterdeß erschienene Sprachwerke, z.B. für Heyna-h'eus Sch räch reinig er (^ncibiwbaniL), die unangenehme Folge hat, daß manche Stelle, worin ge-sagt wird: Campe übersetze dieses oder jenes Wort auf diese oder jene Weise, jetzt nicht mehr paffend ist. Ei-nw von diesen Stellen paßten sogar schon damahls nickt, da sie von ihren Verfassern geschrieben wurden,weil mir, ich weiß nicht durch welchen Mißgriff, oft Wörter darin zugeeignet wurden,' die ich nicht selbstgebildet , .sondern als von andern vorgeschlagene, mit Angabe ihrer Urheber, nur mit aufgeführt, zumTherlsogar ausdrücklich gemißbilliget hatte.
Unter denen, welche mir zur Vervollkommung dieses Werks durch öffentliche Erinnerungen übermeine frühern Versuche oft sehr behülflich gewesen sind, muß ich, um meinem Herzen ein Genüge zu thun,hier noch einmahl die mir, wie allen Sprachsreunden, werthe Namen der Herrn Anton Eschen bürg,Heynatz, Kinderling undRüdiigcr, mit eben so vieler Hochachtung, als herzlicher Dankbarkeit nennen.
Verschiedene andere, zum Theil minder bekannte, aber gleichfalls achtungswürdige Sprachforscher,die mich mit handschriftlichen Bemerkungen zu unterstützen die Güte hattcn> habe ich in dem Werke selbst,da, wo ich ihre Gaben benützte mit erkenntlicher Hochachtung genannt. Wissentlich habe ich keinen, ehe-mahls von mir begangenen Fehler, der in der Folge entweder von mir selbst oder von andern mir nachge-wiesen wurde, zu vertuschen gesucht. Ich habe vielmehr jede richtigere Bemerkung, und jede von andernerhaltene Zurechtweisung, nicht bloß treulich benutzt, sondern auch mir einer eben nicht sehr gewöhnlichenVerbannung aller gelehrten Selbstclei und Eitelkeit, zur Kenntniß meiner Leser gebracht.
In Einem Fache, dem.der Tonkunst, worin ich leider! gänzlich Fremdling bin, würde mein Wör-terbuch denjenigen Grad der Vollständigkeit und Bestimmtheit, der ihm jetzt zur Zierde gereicht, nicht er-langt haben, wenn nicht zwei edle Freunde — Eschenbürg und Reichardt — mir hier ihre hülfreicheHand gereicht hätten. Ihnen verdanke ich die glückliche Zuversicht, mit der ich nunmehr kunft - erfahrnenRichtern in Ansehung der zu diesem Fache gehörigen Wörter, trotz meiner eigenen eingestandenen Unkennt-nisi, unter die Augen treten darf.
Das am Ende des Werks anzuhängende Wortverze^chniß enthalt dreierlei Wörter; nämlich r. neu-gebildete; 2. veraltete, welche der Erneuerung würdig scheinen; 5. allgemein bekannte und gebräuchliche,welche aber in Ad.'s Wörterbuche entweder ganz und gar (wie z.B. die Wörter mißbräuchlich, wo-gen, lullen, u. s. w.) oder auch nur in einer hier nachgewiesenen Bedeutung fehlen. Die unter Num.1. und 2. fehlen entweder in jenem Wörterbuche auch, oder sind doch wenigstens nicht in Reihe und Gliedgestellt, sondern nur irgendwo beiläufig angegeben, oft auch ohne hinlänglichen Grund, wie es scheint ver-worfen worden.
Von der bedeutenden Zahl dieser Wörter *) mag man auf die bei weiten beträchtlichere Menae schlie-ßen, welche meine Freunde und ich zur Ergänzung des Adelungischen Wörterbuchs hätten beibringen können,
** 2 wenn
') Es werden ihrer, nach Maßgabe dessen, was dieser erste Band davon enthalt, gegen 7000 sein. Und ich kennte hier doch nur solcheaufnehmen, welche Bezug auf fremde, dadurch zu verdeutschende Ausdrücke hallen.