XII
Vorrede.
ivcnn es unsern Deutschen Zeitgenossen gefallen hätte, die Ankündigung jenes Vorhabens auch nur der al-lergeringsten Aufmerksamkeit zu würdigen, und dadurch zu erkennen zu geben, daß sie eine solche Nachlesefür etwas nicht ganz unnützes und entbehrliches hielten. —
Die Frage: ob ich den fremden Wörtern, da, wo die ausländische Rechtschreibung von der unsrigenabweicht, dieÄussprache beifügen sollte, oder nicht? wurde, nach reifer Ueberlegung, durch den Umstandentschieden, daß mancher, der fremden Sprachen unkundige Leser bei vielen Wörtern, welche geschriebenanders aussehen, als sie gehört werden, ohne.die angegebene Aussprache zweifelhaft bleiben konnte, ob erdas gesuchte, oder ein anderes Wort vor sich sähe. Da es nun aber für verschiedene fremde Töne anDeutschen Schriftzeichen fehlt: so mußte ich mich entschließen, für einige Fälle ein willkührliches Zeichen anzu-nehmen, und in andern dieÄussprache, si, weit das möglich ist, durch Worte anzugeben. Ich sehte daher fest,
1. daß der gelinde Zischlaut, den das Franz, g, z.B. in Agio, Gdnie, Radotage u. s. w. bezeichnet,durch eben dieses g, zwischen Deutsche Buchstaben gesetzt, ausgedruckt, folglich dieÄussprache je-ner Worte durch Agio, Genie und Radotage, angegeben werben sollte. #)
2. Daß das Franz. J in den Wörten Jabot, Jaloux, Joli, ajustiren u. s. w. zwar beibehalten, aberdie Aussprache durch die in Klammern beigefügten Worte angedeutet werden sollte. **)
3. Daß das, in der Deutschen Bezeichnung der Aussprache Französicher Nasenlaute, als in Abon-daftce, ab8 e ut nach dem n angesetzte g: Abongdangß', absang, kemenLaut habe, son-dern bloß dazu diene, daß mau das Französische m ober n nicht wie das Deutsche scharf und vollaussprechcn, sondern bloß durch dreNase anstoßen, und sich das stumme g nur hinzudenken solle.
4. Daß die Laute ail und ill und eill in Detail, Email, Guillotine, Bouteille, u. s. w. durch llj'angedeutet, folglich Detallt' , Emallj', Gilljotin' oder Grlljvtine und Butellj' oderButellje geschrieben werden sollten.
Die in diesem Wörterbuche gebrauchten Schriftkürzungen sind:
O. D. für Oberdeutsch oder Oberdeutschland.
N. D. — Niederdeutsch oder Nrederdeurschland.
H. D. — Hochdeutsch.
Ad. — Ad elung.
R. a. — Redensart.
spr. — sprich.
Mehr dergleichen habe ich nicht anwenden zu müssen geglaubt, um denen, welche sich in diesem Wör-terbuche Raths erholen wollen, die Mühe zu ersparen, entweder erst lange hin und her zu rathen, oder je-desmahl erst die Erklärung der Abkürzungen nachzusehen.
Ich behauptete vor einigen Jahren: daß der fünfte Theil des in unsern Schriften und Gesprächenumlaufenden Sprachschatzes aus fremden — erbettelten oder gestohlenen — Ausdrücken bestehe ; und es gabdamahls Leute, welche diese Behauptung für übertrieben hielten. Der Beweis des Gegentheils liegt nun-mehr in diesem Wörterbuche der Welt vor Augen; denn sicher enthält dasselbe mehr fremde Wörter, alsin einem Bande des Adelungischen Wörterbuchs Deutsche gezählt werden. So weit waren wir also wirk-lich schon gekommen, daß wenigstens das fünfte Wort, dessen wir uns bedienten, ein undeutfchee war!!
Braunschweig im Herbstmonate 1800.
Campe.
*) *') Für diejenigen, denen die Aussprache des g und j fremd ist, ist zu bemerken, dasi g vor e «nb i, j aber vor allen Celbstlauterii
im Französischen etwas iihnlichrs mit sch haben, sie sind aber daoon i» so fern unterschieden, daß sie fast nicht gezischt werden dür-fen, und also gelinder oder matter als sch lauten mlissen. Beide Buchstaben wird man gellnd und ohne Zischen aus-sprechen können, wenn man die Lippen nicht bewegt und die Zunge nicht so stark an den Gaumen drückt.
J .'Tä!