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1 (1808) A - E
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Vorrede.

danke ihm in meinen und der Menschheit Namen für die von ihm so kräftig und so glücklich bewirkte De-müthigung unsers philosophischen Dünkels, welcher erweisen zu können wähnte, was nicht zu erweisen war,und mit angeblichen Erkenntnissen stolzte, wo keine Erkenntnisse Statt fanden. Aber diese aufrichtige Aner-kennung seines wahren und gediegenen Verdienstes^kann und soll mich nicht abhalten, die Gesetze eines ver-nünftigen Ausdrucks überhaupt, und die unserer Sprache insonderheit, d,eer und seine Jünger oft auf emebis dahin unerhörte Weise überschritten, mit aller Freimüthigkeit eines von ärmlicher Knechtclei und von hä-mischer Verkleinerungssucht gleich unabhängigen Mannes gelten zu machen. Mögen übrigens die abgötti-schen Anstauner und Nachlaller des großen Mannes mich für diese Ausübung meines gelehrten Frcibürger-rechts beseufzen oder bespötteln, wie es ihnen recht.dünket! Dixi, et salvavi animam meam.

Ich habe für nothwendig gehalten, die zu meiner Preisschrift gehörige Abhandlung: über dieGrundsätze, Regeln u n d G r ä n z e n d e r V e r d e u t sch u ng, in abgekürzter, hin und wwder vcr-befferter Gestalt, diesem Werke beizufügen; theils, weil es den Herausgebern einiger unserer wichtigstenBeurtheilungsschriften nicht gefallen hat, von dieser Abhandlung Bemerkung zu nehmeneine Ehre, wor-auf sie mir doch auch heute noch einige, nicht ganz ungegründete Ansprüche zu haben scheint, theils weilich über die im gegenwärtigen Werke zur Prüfung und Beurtheilung ausgestellten alten und neuen Wör-ter nur diejenigen für befugte Richter erkennen kann, welche die von mir entwickelten Grundsätze und Re-geln der Verdeutschung kennen, und sie entweder umzustoßen vermögen, o^er, wofern sie das nicht können,sich gefallen lassen, sie, als die alleingültigen Entscheidungsg-ünde in dieser Sache, bei der Beurtheilungder Wörter selbst, unverrückt vor Augen zu behalten. Die unbestimmten, und nicht mit Gründen beleg-ten Aussprüche:dis oder jenes Wort ist gut, dis oder jenes unerträglich, dis oder jenes klingt uns selt-sam u s. w." die ich so oft habe hören müssen, wo ich Belehrungen erwarten durfte, kann ich weder fürbelehrend, noch für entscheidend, sondern nur für unbefugte Machtsprüche halten. Das Ohr hat freilich,wenn es auf die Beurtheilung eines Wortes ankommt, auch eine Stimme zu geben; aber nur dann, wennvon dem Uebelklange oderWohlklange, nicht, wenn bloß von dem Alt- oder N e u k l a n g e,d. i. von der Gewöhnlichkeit oder Ungcwöhnlichkeit eines Wortes, die Rede ist. Ein neues oder unbekanntgewordenes Wort kann unmöglich als ein bekanntes klingen; es muß vielmehr in den meisten Fällen demOhre mehr oder weniger, als neu oder sonderbar, wo nicht gar als seltsam auffallen. Dis muß um somehr der Fall sein, wenn man, wie in diesem Wörterbuche, viele tausend, theils neugebildete, theils ver-altete, theils aus den unbekannteren Mund - arten unserer Sprache hervorgezogene, also größtentheils un-gewöhnliche Wörter, nach einander hingestellt findet, und nun diese'nackten, »»verbundenen, neuenoder unbekannten Wörter hintereinander liest, ohne sich vielleicht die Mühe zu geben, jedes von ihnen erstin einen schicklichen Zusammenhang hineinzudenken. Um also das Schicksal der in Diesem Werke für un-sern Sprachschatz gesammelten Wörter, weder von dem schwankenden Urtheile des Ohrs, noch von denLaunen der Machtsprecher, sondern lediglich von einer ruhigen und strengen Prüfung nach den Gesetzen derSprache und der Vernunft, abhängig zu machen, habe ich geglaubt, den Leisten, wonach sie gebildet wur-den, dabei legen zu müssen. Wer nun aber dennoch , ohne diesen Leisten anzusehen, ohne seine ^Richtig-keit zu prüfen, und ohne sich die Mühe zu geben, die zu beurtheilenden Wörter daran zu halten,, über die-se Wörter, sei's mit Beifall, sei's mit Tadel, zu urtheilen sich ermißt, der wolle es sich selbst, nicht mir,zuschreiben, wenn ich einem solchen Urtheile keine Achtung erweisen kann.

Dieses Wörterbuch erstreckt sich über die Kunstsprache aller Wissenschaften und aller Künste;-und sowol die Erklärung, als auch die Verdeutschung dieser Kunstwörter setzte deutliche und vollständige Be-griffe von demjenigen voraus, was dadurch bezeichnet wird- Da nun aber kein Mensch in allen Wissen-schaften und Künsten so bewandert ist oder sein kann, daß er sich rühmen dürste, von allen und jeden Thei-len derselben richtige und vollständige Begriffe zu besitzen: so hätte dieses Wörterbuch entweder ungeschrie-ben bleiben müssen, oder der Verfasser desselben mußte aus Billigkeit und Nachsicht gegen einige, auch beider größten Sorgfalt unvermeidliche Fehler rechnen. Alles, was man gerechter Weise von ihm erwartenund fodern konnte, ist: daß er da, wo eigene Kenntniß ihn verließ, die besten und sichersten Quellen zuRathe zöge. Dis treulich gethan und keine Mühe des Nachforschens und Nachschlagens dabei gespart zuhaben, glaube ich mit großer Zuversicht versichern zu dürfen. Aber auch die reinsten Quellen haben oft ei-nen unreinen Zusatz durch unvermeidlichen Zuflug erhqlteu; und selbst die kundigsten und treuestenWegwei-ser führen, weil sie fehlbare Menschen waren, nicht selten irre. Ich könnte, wenn es nöthig wäre, dieseanerkannte Wahrheit mit sehr auffallenden Beispielen belegen, welche mir während dieser Arbeit oft an sol-chen Orten in die Hände fielen, wo ich sie zu finden am wenigsten erwartet hätte. Leicht möglich also,