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1 (1808) A - E
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VIII
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VIII

Vorrede.

Wörtern versteckt, und nur dann erst in ihrer ganzen Dürftigkeit dasteht, wenn diese Wortlarven

ihr abgezogen werden.

Deutschland es öffne doch endlich die Augen darüber! hat in seiner Bildungsgeschichte diesendoppelten unläugbaren Ersahrungösatz in zweien, gleichauffallenden Beispielen vor sich liegen in dem Bei-spiele der scholastischen und der sogenannten critischen Philosophie, und in den Wirkungen bei-der auf die Volkeerleuchtung. Welchen Einfluß hatten beide, konnten beide möglicher Weise auf diese ha-ben? Nicht bloß gar keinen das wäre noch der glücklichere Fall gewesen sondern einen entgegenwirken-den. Die Vernunftwiffenschast, nach allen ihren Theilen, selbst nach denen, welche recht eigentlich fürjedermann gehören, wurde dem Gesichtskreise des Volks, selbst dem der gebildeten, nur nicht Grichisch undLatein verstehenden Klassen, mehr als jemahls entrückt; und statt einer Erweiterung des allgemeinenVolksverstandes und der allgemeinen Volkevernunft durch wirkliche Begriffe und neubemerkte frucht-bare Wahrheiten, erfolgte eine wirkliche Verengung beidereine Ueberladung des einen und eine Verwir-rung des andern durch leere Schattenwörter und überfeine Hirngespinste ohne wirklichen Gegenstand. Wieflcmj anders war der Erfolg, als Thomasiuö, L^eibnih undWolf dieVernunftwiffenschaften in einereme, mit sich selbst übereinstimmende, menschliche Sprache gleichviel in welchezu kleiden sich beflissen!Wie erhellten sich da die Köpfe rings umher! 9i3ie singen Volksvorurtheile und Volksabergiaube an zuverschwinden! Wie verbreitete sich der philosophische Forschgeist und die philosophische Lehr-art durch alleWissenschaften, durch alle Zünfte der Gelehrsamkeit, ja, mandarfsagcn, durch alle Stande der Gesellschaft,von der Bauernhütte bis zum Throne hinauf; weil wir unter Friedrichs Zeitgenossen sogar Landbauergesehen haben, die bei aller, ihrem Stande ziemenden Einfachheit der Kenntnisse und der Sitten, ihre Be-rufsarbeiten mit philosophischem Beobachtungsgeiste und Nachdenken trieben. Wer kennt nicht z. B. denSchweizer Kleinssogg; und wer kann uns einen ähnlichen Mann zeigen, der aus irgend einer andernSchule, die ihre Satze in eine^Grichisch-Lateinisch-Deutsche Zwittersprache kleidete, ?)ervorgegangen wä-re, oder durch das Lesen ihrer Schriften sich zu einem solchen gebildet hätte?Wodurch, fragt Her-der, schritt die Philosophie vor? Dadurch, daß sie einen neuen Calcul (eine neue Bezifferungsart) gewann,die Landessprachen. So lange man in ihr ein Grichisch- Latein redete, das weder Aristoteles noch Cicerohätten verstehen mögen, schleppte man den alten Trödelkram mißverstandener Abstractionen (abgezogenerGrübeleien) fort, und zwang den Geist in verlebte Wortformen. Sobald man aber in seiner Sprachezu denken wagte, ließ sich der gesunde Verstand nicht überwältigen; er warf die fremden Wortlarven ab,erkennend seine Begriffe in seiner Sprache. Auch hier war Luther für uns Deutsche ein hochverdien-ter Mann. In einer männlichen Verstandessprache machte er der Philosophie Raum; er stürzte auf demFelde, das er tapfer bearbeitete, die Scholastik. (Was würde es aber nicht erst gewesen sein, wenn Lu-thers, und in der Folge Wolfs Nachkommen auf dem Wege rcinerDeutschheit, den diese, um un-sere Sprache so hochverdiente Männer, der eine in der Gotteslehre, der andere in den Vernunftwissenschaf-'tc» und in der Größenlehre, einschlugen, fortgeschritten wären!) Man ging ihm aber nicht nach, wie manhatte thun sollen; im Gebrauch (und in der Ausbildung) der Landessprache kamen Frankreich und Englanduns weit vor. Zu liebssvar den Schulen die scholastische Transscendeutalphilosophie, bis, nebst andern,Leibnih den großen Sinn hatte, bei der genauesten Technologie (Kunstsprache) die Philosophie des Ver-standes und der Vernunft zur verständlichen Philosophie zu machen, wie es sein sollte Daß Wolf,obgleich mtt eingeschränkterem Geiste, seine Philosophie in verständlichemDeutsch schrieb, gereicht ihmzum größten Verdienste. Dadurch, und durch Uebersetzungen aus andern Sprachen, oder durch das Lesenfremder philosophischer Schriften, ist der Geist der Deutschen etwas gelichtet worden; sonst säßen wir nochauf den Schulbänken alter Quidditäten und Hocceitäten (Was-heiten und Dasheiten).Jedem Systeme (Lehrgebäude), das uns in neuen (Grichischlateinischen) Wortformen diese alte Nacht wie-derbringt, sollen wir, der Ehre unserer Nation (Völkerschaft) halben, entgegentreten; denn nichts lähmtden Verstand mehr, als das Nachplappern dunkler Formen. Mit welcher Mühe wurden sie drei Jahr-hunderte lang aus dem schweren Gehirne der Grübler allmählig verscheuchet!"

Hiezu also mitzuwirken so weit dieses durch ein Wörterbuch geschehen kann ist der höhere Zweck. dieses Werkes. Um seinetwillen habe ich mir denn auch das, nicht sehr anziehende Geschäft, in dem Gri-chisch'Lateinischen Kunstwörterwesen der markscheidenden (critischen) Schule herumzuwühlen nicht verdrießenlassen; und wo es nur immer gerathen zu sein schien, d. h. wo ich in einem fremden Ausdrucke nur einenwirklichen, der Verständlichmachung fähigen und würdigen Inhalt fand, da bemühete ich mich, den Deut-schen Ausdruck, der an die Stelle desselben gesetzt werden könnte, zu finden und nachzuweisen. Und hier

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