Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
VII
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Vorrede.

YII

E? Zeitgenossen und eine dankbarere Nachkommenschaft mir vielleicht zu einigem Verdienste anrechnen wer-den, ich meine die große vieljährige Mühe, die ich mir gegeben habe, unsere vorzüglichsten alten und neuenSchriften, besonders solche, welche von dem Verfasser unsers Deutschen Wörterbuchs unbenutzt gebliebenwaren , in der Absicht durchzuleftn, um Wörter aus ihnen hervorzusuchcn, welche dazu dienen können , un-sere arme gemißhandelte Sprache von dem ihr angezwungenen fremden Lappenwerke, worin siedie reich-ste unter allen ihren Schwesternals eine der armseligsten Bettlerinnen erscheint, zu befreien, und sie da-durch nach und nach wieder in ihrer ursprünglichen Reinheit und anständigen Wohlhabenheit hervortreten zulassen. Bei Wörtern, von welchen es mir zweifelhaft blieb, ob sie von mir selbst oder von einem anderngebildet wurden, habe ich natürlicher Weise auch keinen Urheber angeben können.

Daß die Nachlese zu H. Adelungs Wörterbuche, die ich in diesem Werke vollbracht habe, garnicht unbeträchtlich sei, sondern mich vielmehr vollkommen berechtigte, meinemWerke auch in dieser Hinsichtden Titel eines Ergänzungsbandes zu jenem Wörterbuche zu geben, davon wird man sich sowol durchdas am Ende beizufügende Wortverzeichnis, als auch schon jetzt beim bloßen Durchblättern dieser ersten Hälf-te des Werks, durch den Anblick der vielen Anführungen von Schriftstellernamen und Schriften, die H.Ad. entweder nicht kannte odergar verschmähte, leicht überzeugen können. Ich bin stolz darauf, hier somanchem, um die Bereicherung und Ausbildung unserer Sprache wohlverdienten Schriftsteller diejenige Ge-rechtigkeit erwiesen zu haben, welche das Deutsche Wörterbuch ihm versagt hatte; und ich würde es dahereher für eineSchmählerung, als für eine Vergrößerung meines eigenen etwanigen Verdienstes halten, wennman sich abermahls die Ungerechtigkeit erlauben sollte, das Verdienst d'eser Männer, aus ungroßmüthigerGroßnmch, auf meine Rechnung zu schreiben. Es thut mir übrigens aufrichtig leid, daß ich auch dismahl,wie schon ehemahls bei meinen frühern Versuchen, nicht umhin konnte (ohne, meinen Begriffen nach, Hoch-verrath an einem der heiligsten Gemeingüter, an unserer Sprache, zu begehen), mit Herrn Adclung sooft in Widerspruch zu kommen. Nur für diejenigen, welche mich persönlich nicht kennen, und die mir da-her leicht mehr Dünkel und Zanklust zutrauen könnten, als ich, bei einer unparteiischen Beobachtung mei-ner selbst, in mir wahrzunehmen vermag, muß ich hier noch einmahl wiederholen, was ich schon ehemahls,in einer meiner frühern Schriften, mit aller Aufrichtigkeit darüber geäußert habe:Daß ich einem, um un-sere Sprache, und dadurch um unsere ganze Völkerschaft, so hochverdienten Manne, als H. Ad. wahr-lich auch in meinen Augen ist, hier abermahls häufig widersprechen mußte, wird er selbstwie ich seinemreinen und edlen Eifer für unsere Sprache nothwendig zutrauen muß mir am wenigsten verargen wollen.Auch der bloße Handlanger darf dem trefflichen Baumeister , unter dem er arbeitet, bei allem, auch nochso großen Abstande von ihm, mit bescheidener Freimüthigkeit unter die Augen treten und sprechen: hier,lieber Herr, ist ein Stein, den ihr, als einen untauglichen, auf die Seite geworfen, oder übersehen hat-tet, der mir aber doch noch brauchbar zu sein scheint; hier ein Nagel, der mir bessere Dienste zu verspre-chen scheint, als jener da, den ihr einschlagen lassen wolltet. Seht beide an, und gebraucht oder verwerftsie, je nachdem ihr, eurer bessern Einsicht nach, das Eine oder das Andere für rathsam halten werdet.Und nur dieses, weder mehr noch weniger, habe ich mit allen meinen, Hrn.A d. betreffenden, Erinnerun-gen sagen wollen."

Der nächste Zweck dieses Werkes ist nun zwar freilich nur: unsere Sprache von dem ihr unbefug-ter Weise beigemischten fremden Wortkrame reinigen zu helfen, und dadurch ihre, beinahe schon verlorengegangene Wesenheit (Existenz) zu sichern. Aber dieser Zweck ist selbst nur Mittel zu höheren Zwecken.Und welche sind diese?

Folgende Erfährungssähe enthalten die Antwort auf diese Frage:

Ohne Reinheit der Sprache, d. i. ohne eine, für ein ganzes Volk verständliche, also durch ihreAehnlichkeitsregel begränzte, und alles Fremde, dieserAehnlichkeitsregel widerstrebende, ausschließen-de Sprache, findet keine a l lg e m e i n e B e le h r u n g, keine V o l k 6 a u fk l ä r u n g, oder Volks-ausbildung, in irgend einem beträchtlichen Grade der Allgemeinheit, Statt. Man sehe hier-über die nachfolgende Abhandlung, besonders Seite 8i8, t wo ich diesen Satz so erwiesen zu ha-ben glaube, daß kein Zweifel und kein Einwand dagegen möglich zu sein scheinen.

2 . Ohne eine reine Sprache (in der Abhandlung ist deutlich auseinandergesetzt worden, was hierdarunter verstanden wird) findet keine reine Vernunftwissenschaft (Philosophie), sondern nur jenevernnnftverwirrende und vernunfttödtende Schulweisheit (scholastische Philosophei) Statt, welcheihre Armuth an wirklichen Begriffen und Sachen hinter hohlen, barbarischen, Grichischlateinischen

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