VI
Vorrede.
lein im ersten Falle würde das Wörterbuch um einen ganzen Band stärker geworden sein, als es jetzt ist;im andern hatten viele hundert fremde Wörter ausgeschlossen werden müssen, welche jetzt, ohne sichtbarenGrund, ihren Platz darin gefunden haben. In beiden Fallen würde man dem Werke, auch in Ansehungdieser Wörter,'so wie der übrigen, das Ueberdachte und Planmäßige angesehen haben, welches, in dieserHinsicht, jetzt daran vermißt wird. Das Befremdendste in Ansehung dieser fremden Wörter ist, daß H.Ao. sich nur zuweilen, aber bei weiten nicht imnier, darauf eingelassen hat, den undeutschen Deutschen,welchen sie so geläufig geworden sind, und die sie deshalb für unentbehrlich halten, die echtdeutschen Aus-drücke nachzuweisen, welche eben das sagen, und welche also auch immer, in Gesprächen und in Schrif-ten, statt jeiler gebraucht werden sollten; obgleich er selbst häufig darüber klagt, daß man aus Unkundedes Eigenen, so ganz ohne Noth, so ganz ohne vernünftigen Grund, dem Fremden nachlaufe, weil esfremd sei. Aber so hätte doch auch, bei Erwähnung dieses Fremden, das Eigene, wodurch es uns unent-behrlich ist, jedesmahl nachgewiesen werden sollen. Das ist nun aber, wie gesagt, nur zuweilen gesche-hen, und man kann nicht umhin, darin, daß es nicht immer geschehen ist, eineUnvollkommenheit dieses,in so manchein andern Betrachte preiöwürdigen Werkes zu finden.
Dieser Unvollkommenheit soll nun hier, sowol durch eine so viel möglich vollständige Sammlungaller, unserer Sprache aufgedrungenen, fremden Wörter, als auch durch Nachmessung derjenigen echtdeut-schen Ausdrücke, welche an die Stelle derselben zu treten verdienen, abgeholfen werden; und deswegen(aber auch wegen mancher beiläufigen Berichtigung, und einer sehr beträchtlichen Menge nachgetra-gener Deutscher Wörter) habe ich dieses Werk einen Erganzungsband zu Adelungs Wör-ter buche genannt. Ueber beides aber, sowol über die beabsichtigte Vollständigkeit, als auch überdie hier nachgewiesenen V erd eu tschunge n, muß ich, um Mißverständnissen und unbilligem Tadel vor-zubauen , noch ein Wort der Erinnerung hinzufügen.
Was zuvörderst die Vollständigkeit betrifft, so soll dieses Wort hier keinesweges m seiner strengenund unbedingten Bedeutung genommen, sondern — wie es für jeden, der von Arbeiten dieser Art einenBegriff hat, sich schon von selbst versteht — nur dahin gedeutet werden, daß der Verfasser alles gethan undgeleistet zu haben glaubt, was von Eines fleißigen Mannes unverdrossener Thätigkeit billiger Weise nurimmer gefodert werden kann, um dieser Sammlung den möglich höchsten Grad der Vollständigkeit zu ge-ben- Ich habe zu diesem Behuf nicht nur seit zwölf Jahren alles, was mir von fremden und fremd - ar-tigen Wörtern in Gesprächen und in Schriften, so wie auch beim eigenen Herumschweifen meiner Gedan-ken in den weiten Gebieten unserer Kenntnisse und Sprache vorkam, sorgfältig aufgezeichnet; sondern auchnoch zuletzt, da meine Sammlung schon weit über die Vollständigkeit aller ähnlichen Werke angewachsenwar, die langweilige und beschwerliche Mühe nicht gescheut, sowol alle mir bekanntgewordeneäh nliche Sammlungen fremder Wörter, als auch das ganze Adelungische Wörter-buch, Zacodsons technologisches Wörterbuch, Sulzers allgemeine Theorie derschönen Künste in alphabetischer Ordnung, Hcynatzens Antibarbarus u. s. w., zu-letzt sogar auch noch Delaveaux Französisches und Hederichs Lateinisches Wör-terbuch, sammt dem von Catel mit Verdeutschungen versehenen Wörterbucheder Franz. Academie, so weit dasselbe schon abgedruckt war, Blatt für Blatt in der Absicht durch-zugehn, um alle mir etwa noch entgangene fremde Wörter, welche als Deutsche gebraucht zu werdenpflegen, daraus zu schöpfen und einzutragen. Nach Vollendung aller dieser mühseligen Arbeiten, fand ich,nun schon seit mehr als einem Jahre, meine Arbeit zu einem solchen Grade der Vollständtgkeit gediehen,daß nur sowol bei mündlichen Unterhaltungen mit andern, als auch beim Lesen solcher Schriften, in wel-chen es von fremden Ausdrücken wimmelt , nur noch feltert ein Wort aufstieß, welches in meiner Samm-lung nicht schon enthalten war. Darauf gründet sich memeMeinung von der Vollständigkeit dieses Werkes.
Was die, den fremden Wörtern beigefügten Verdeutschungen betrifft, so habe ich zwar bei jedemneugebildeten Worte, so oft ich konnte, abermahls bestimmt und deutlich angegeben, ob es von mir selbst,oder von einem andern herrührt; aber dessen ungeachtet wird es auch dismahl, wie bei meinen frühern Ver-suchen, wahrscheinlich nicht an Leuten fehlen, welche, ohne dieses Werk jemahls selbst anzusehen, alle darinenthaltene, entweder wirklich neue, oder ihnen nur noch nicht bekannte und daher neuscheinende Aus-drücke, auf bloßes Hörensagen, meiner eigenen Erfindung zuschreiben werden. Ich kann hiebei weiter nichtsthun, als bedauern, daß man mir dadurch in einer Rücksicht zu viel, in einer andern zu wenig Ehre er-zeigt; zu viel, weil bei weiten der größere Theil jener Wörter nicht von mir, sondern von andern, mituntervon den ersten Männern Deutschlandes, herrührt; zu wenig, weil man dabei etwas übersieht, was billi-gere