Der Kaiser.
«üus neunzehn Wunden schoss so hellHervor des Blutes Purpurquell.Den jugendlichen Leib verdarbenZum mindesten die neunzehn Narben;Sie waren Eosen zu vergleichenUnd jede des Muthes heil'ges Zeichen;Sie waren Denkmäler männlicher TugendAuf diesem Gärtlein erster Jugend.
"Wohl gross ist der Verlust an Blut,Doch grösser noch die Kraft des Lebens.Wohl droht der Tod, jedoch vergebens,Der Jüngling steht in Gottes Hut.
Die Nacht, die blaue, sternerhellte,Schaut nieder auf die weissen Zelte,Die, Schemen, bleich und ohne Leben,Sich aus dem nächt'gen Boden erheben.
Die tiefste Stille herrscht im Raum,Es schaukelt manches Herz ein Traum,Und manches Leben, schwer bedroht,Kämpft unterm Zelte mit dem Tod.Manch' liebliche Erinnerung
Blieb, Zeit und Fernen trotzend, jung,
Und tiefer, namenloser Schmerz
Zerfleischet manches Marmesherz.
Gefühl, Gedanken , Leidenschaft
Bewähren ihre alte Kraft.
Sie richten manch' Gemüth empor,
Wenn es schon allen Muth verlor,
Und beugen manche Seele nieder,
Stemmt sich ihr Trotz auch ernst dawider;
Es ist ein Anblick sonderbar,
Solch' eine Waffenstadt aus Leinen,
Gebrechlicher, als die von Steinen,
Herberg' des Muths und der Gefahr;
Für Weh' und Drangsale von Wochen
In wenig Stunden aufgebaut,
In wenig Stunden abgebrochen,
Dass keinen Pflock das Aug' mehr schaut.
Kein Grashalm rauscht, kein Blättchen bebt,
Kein Lüftchen seine Schwingen hebt, .
Es ist ein heil'ges, süsses Schweigen, —
Da macht in mitternächt'ger Stunde
Der Kaiser die gewohnte Runde,
Er liebt's, sich unverhofft zu zeigen;
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