Die Rettung.
»dloch hat in die helle Mondesnacht,Manch' Sternlicht munter herahgelacht;Fern von den Bergen wie MorgenbotenZogen schon kleine Wolken heran,Mit ihrem Schein, dem dunkelrothen,Verkündend der Sonne gold'ne Bahn.
Im Thal die Nebel, duftgewoben,
Wie Schleier allmählig sich erhohen,
Die herrlichen Eeize der Erde zu zeigen,
Die sie verhüllten im nächtlichen Schweigen.
Die Blüthen, die noch zu Boden gesenkten,
Sie ahnen bereits des Lichtes Nah'n
Und wenden den Kelch, den thaugetränkten,
Allmählig zu der Sonnenbahn.
Was lebt, empfindet, reibt sich bald
Den Schlummer aus schlaftrunk'nen Augen,
Und jedes Blatt erwacht im Wald,
Die Düfte des Morgens aufzusaugen,
Und während es grünt und sprosst und keimt
Erzählt es, was es nachtüber geträumt;
Und Vöglein, das die Mähr' vernommen
Bringt es in einen melodischen Sang,
Der Mensch, in dessen Gemüth es drang,
Ist zur Begeisterung erglommen,
Und ist für Augenblicke behütet
Gen alles Weh, das ringsum wüthet.
Der Spiegel des Weihers, noch angedunkelt,Der erst noch die Sternlein zurückgefunkelt,Beginnt sich allgemach zu hellen,Und zeigt das Zwielicht in den Wellen.Da stc'isst vom Schlosse KerveganBehutsam ein bemannter Kahn —Bemannt? Ein schweigend Frauenbild,
Das innig zwei Kinder umschlungen hielt,
Indess ein Mann das Euder schwang,
Und zum Gehorsam das Wasser zwang.
So plätschert im Morgenzwielicht dahin,
Das Schifflein, während sanft und leise,
Die Wellen geheimnisvoll ihre Kreise,
Verbindend Land und Wasser, ziehn.
Und in des Weihers Mitte hält an
Der rüstige Rudrer den schwanken Kahn;
Am Strande vor ihm in die Wolken strebt,
Das Schloss, worinnen die Treue lebt:
Ein Vater, den Sohn an seiner Seite,
Die ihr' Geschicke sich selbst gewählt,
Die Mannen erprobt im heiligen Streite
Von Todesverachtung die Brust gestählt.
Dort inner der Mauer Heroenmuth,
Der männlich dem Tode ins Antlitz schaut.
Wenn Nächte des Bangens ihn je umgraut,
Dann zündet der Liebe Flammenglut
Ein Lichtlein ihm, das nimmer verlischt;
Gleich einem Sonnenstral erfrischt
Das Blümlein der Treue, so anmuthreich,
So unverwelklich und ewig gleich.
Und wenn die Mauern brächen zusammen,
Es lodern züngelnd die heiligen Flammen
Der Liebe zum König um den Bau,
Der in der Treue geworden grau.
Sanft auf dem Weiher schaukelt der Kahn:
Die Hoffnung auf unsichrer Bahn,
Den Blick in die dunkle Zukunft gerichtet,
Die, gibt es ein Eecht, dereinst sich lichtet;
Doch wäre Gott nicht selbst das Verhängniss,
So endete ungerechtes Bedrängniss,
So risse der Wolf nicht das Lamm entzwei,
Sprang auch, es zu schützen, der Hund herbei.
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