Dass in der Schlucht es gellend hallt —Ist's Hilfe wohl, die der Himmel sandte?Des Einen Kampflust war gekürzt:Zu Tod getroffen er niederstürzt.
Noch einmal kracht's, noch Einer sinkt,Von Waffen durch den Rauch es blinkt,Da ruft eine Stimme: „Es soll diese MemmenIhr eignes Blut von hinnen schwemmen!Frisch haltet Stand! ich will auf den RückenDen Meuchlern heut' ein Brandmal drücken."Wie Knabenwort klang jeder Laut,Vernehmlich und doch sanft und traut.Wer ist's? — Der Jüngling aus Madrid,Der, als er jubeln hört die Menge,Die dem Erobrer entgegen zieht,Ihn feiernd durch Hymnen und Gesänge— Und ist er selbst auch Frankreichs Sohn —Für solche Schmach fühlt bittren Hohn.Nie deckt der Eignen herrliche GrösseDer Andren Schimpf und Schmach und Blosse —„Frisch haltet Stand", ruft er noch Einmal;Aus seiner Doppelflinte zwei SchüsseSind für die Räuber zwei Todesgrüsse,Und kleiner ist wieder der Meuchler Zahl.Schon stehn nur fünf noch gegen zweiWer zweifelt noch, wer Sieger sei?Noth haben die Räuber, sich zu wehren,Manch scharfer Schuss wird zwar verpufft,Doch wimmern die Kugeln in der Luft —„Die Memmen soll man erst schiessen lehren."Der Jüngling ist nun vorgedrungen,Ans schnaubende Pferd herangesprungen,Mit einem donnernden „Gott befohlen"Reisst er aus den Halftern heraus die Pistolen,Hat scharf auf die Gegner angelegt,Und zwei nacheinander darniedergestreckt.
Nun stehn sich zwei und drei entgegen,Kein Schuss ist mehr übrig, sie fassen die
Degen,Und haben Beide die letzte Kraft,Zum Kampf der Entscheidung zusammengerafft.Der Jüngling, ein Löwe, will alle verderben,Doch auch von seinem RosenblutSieht man sich Felswand und Erde färben,Und immer noch immer nicht schwindet sein
Muth.
Schon träufelt aus siebzehn Wunden nieder;Des schwindenden Lebens rosiger Quell;0, wenn nicht Hilfe naht und schnell,Dann brechen zur Leiche zusammen die Glieder,Und auf dem Schlachtfeld des Sieges ruhtDer Sieger als Leiche im eignen Blut.Da wirbeln von fern die Trommeln schon,Ha, Rettung verkündet ihr heller Ton!Verlassend der Spiessgesellen LeichenZurück die drei Guerillas weichen,Von denen im Flieh'n noch Einer sank,Indess den Andren die Flucht gelang.
Der Feldherr und der junge HeldSie blieben siegreich auf dem Feld;Und als die rettende Schaar genaht,Da lag der Jüngling auf blutigem Pfad,Das Haupt in des Geretteten Arm;Dem Munde entquoll das Blut so warm,Das Auge brechend und brechend schon;Noch war nicht alles Leben entflohn. —
Doch als die Gestalt so knabenhaft,Der Feldherr sieht, so glaubt er's kaum;Was er erlebt, dünkt ihm ein Traum,Der solche Gebilde neckend schafft,Und nur die eignen Wunden ihm sagen,Dass Alles in Wahrheit sich zugetragen.
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