Und schickt den Schlummer aus die Nacht,
Das kaiserliche Auge wacht,
Und richtet auf die Vergangenheit
Zurück die leuchtenden Adlerblicke;
Von neuer Gö'tterkraft gefeit,
Beschliesst er künftige Geschicke.
Indem er durch das Lager wallt,
Macht er auf seiner Wallfahrt Halt;
Er sieht vor sich ein offnes Zelt,
Drin liegt auf hartem Lager ein Held,
Kopf, Hand und Arm in der Binden Haft
Erzählen Geschichten, märchenhaft.
Der Kaiser tritt vor; der Held ist jung,
Der matte Blick voll Begeisterung,
Ein Knabe fast, und schon so brav,
Doch schwer des Schicksals Schlag ihn traf;
Und als den unbekannten Gast
Der stolze Jüngling in's Auge fasst,
Hat er errathen, wer vor ihm steht:
Das ist die Macht der Majestät,
Die, wenn verhüllt auch und unbekannt,
Sogleich das geistige Auge ahnt.
„Wie heisst Ihr, Freund?" der Kaiser beginnt,
Und eine Stimme erwiedert lind:
„Es ist mein Name Kervegan" —
Bewegt sieht der Kaiser den Jüngling an,
Er denkt der grossen Heldenthat,
Die man ihm schon gemeldet hat,
Und weiss, dass dieses edle Geschlecht
Noch heut' steht für des Königs Recht;
Dass es verliess das Vaterland,
Weil seinen König es verloren;
Den Boden nicht, der ihn geboren,
Den Boden, wo sein König stand,
Sucht' auf der Sohn und führte das Schwert,
Als galt' es seinen eignen Herd.
Des Kaisers Auge schien sich zu laben
Am Anblick dieses Heldenknaben,
Drein es sich mählig mehr vertieft,
Zu lesen seiner Züge Schrift.
Und er noch lange sinnend stand;
Alsdann der Kaiser also spricht:
„Täuscht, Freund, mich Euer Name nicht,
Ist Frankreich Euer Vaterland.
Wie seltsam doch mag es geschehn,
Auf Feindes Seite Euch zu sehn ?
Wer dächt', dass eines Franzmanns Hand
Die Waffe schwingt gen das Vaterland."
„Sirel" ruft der Jüngling, der in Schmerzen
Kaum länger seinen Unmuth dämpft,
„Nicht gegen Frankreich hab' ich gekämpft.
An dem ich hange mit ganzem Herzen.
Als Spanien und mein Vaterland
Vereinigte ein Freundschaftsband,
So lang' dient' ich im span'schen Heere.
Als jenes treulos brach den Frieden,
War bald auch mein Entschluss entschieden.
Ich ging und rettet' meine Ehre."
•— „„Dann musstet nach Paris Ihr kommen;
Im Vaterland war aller Harm
Schon längst vorbei, mit offnem Arm
Hätt' Euch der Kaiser aufgenommen."" —
„Sir, ich bin Emigrant, verschlossen
Ist mir die Heimat und meinen Genossen."
„„Ich hebe, mein junger Held, den Bann,Der Dich und Dein Geschlecht getroffen ;Frankreich steht Dir von Neuem offen;Was Deinen Namen trägt, es kannBetreten den Boden seiner Ahnen; 'Der Kaiser setzt Dein altes GeschlechtVon Neuem ein in sein altes Recht,Und auf des Ruhmes schimmernden FahnenGlänzt Dir nun schön und reich entgegenDer herrlichsten Zukunft reicher Segen.
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