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Der Page des Kaisers : Ein Gedicht von der Treue
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In Allem und Jedem sein eignes Blut;Es stellet sich ihm Alles dar,Als ob er gar nicht fern gewesen;Nur aus den Blicken, freudeklar,Aus strahlenden Mienen ist zu lesenDes Herzens allerhöchste Lust:Dass man den Herrn daheim gewusst.

Doch sollt' es nimmer bleiben so selig.Die Zeiten wandeln den Frieden allmählig,Der Frohsinn ergriff den WanderstabUnd fand auf der Strasse alsbald sein Grab;Der Wahnsinn, welcher die Welt durchrast,Lud sich allüberall zu Gast.Und in des Schlosses friedlichen RäumenLässt sich's von einer seligen ZeitUnd von dem Zauber der Einsamkeit,Derfortgescheuchten, auchnichtmehrträumen.Der Graf, erschüttert ob diesem Verlust,Barg seinen Schmerz in tiefster Brust.

Gedrungen, kräftig von Gestalt,

Inmitten zwischen Jung und Alt

War's eine eiserne Natur,

Die keiner irdischen Macht sich beugte.

Das rabenschwarze Haupthaar zeigte

Nur wen'ger weisser Fäden Spur;

Den Mund umschattete ein Zug

Tiefinnrer wahrer Todverachtung;

Des Auges düstere Umnachtung

Verrieth, was er im Herzen trug:

Ach! über die schwer entartete Zeit

Das allertiefste Seclenleid.

Oft, wenn er schaut auf Weib und Kind,

Ist's ihm, als ob das Herz ihm bräche.

Beim Himmel, grosse Helden sind

Die Sklaven mancher grossen Schwäche.

Oft glänzt's im Blick, doch sah man leicht

Es war ein Glanz, der thränenfeucht,Der auf der'Wange reinem VliessDie salzige Spur zurückeliess;Der Graf dann überrascht von ThränenDräut, grimmig knirschend mit den Zähnen,Und grollt und lärmt; durch solch GeberdenSoll bald sein Auge trocken werden.So weiss er Thränen zu erstickenUnd trocknen Auges stets zu blicken.Fast keiner sah noch den Grafen weich,Doch auch von Allen, die ihn gekannt,Hat Niemand hart den Grafen genannt.Er wirft die Stirne hoch und bleichIm Trotz empor, schwört den VerräthernAn Land und König ew'ge Rache:Gerecht beim Himmel! ist meine Sache,Drum tausend Weh den Uebelthätern."

In seinem schlichten Jagdgewand,

Den Doppelstutzen in der Hand,

Am Kopf die Pikelhaube zum Schutz,

Die Brust gepanzert den Kugeln zum Trutz,

Zeigt er sich herzhaft auf dem Walle;

Wenn zunimmt der Belagerung Noth

Und immer grösseres Unheil droht,

Ist er es, der sie ermuntert Alle.

Wenn Kugeln, vom Geschick getragen,

Links, rechts mit Zischen niederschlagen,

Dann steht er unbekümmert da,

Als wollt er durch den Gleichmuth sagen:

Gott ist stets dem Gerechten nah I

Es ist als ob gefeit sein Leib;

Oft steht zur Seite ihm das Weib

Und bebt nicht vor dem Todesweh',

Sein Blick flammt auf, man denkt, er kann

Entzünden das Pulver auf der Pfann',

Ein Weib im Herzen der Vcndee!

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