Druckschrift 
Der Page des Kaisers : Ein Gedicht von der Treue
Entstehung
Seite
29
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Doch auch die Vomehm-Prächt'gen

Sie wiesen ihr die Tliür.Es hatte für die Arme

Wohl Niemand mehr ein Ohr,Dass sie in ihrem Harme

Den Muth verlor."

Da kam sie auf den Strassen

Zur Armuth, der im Sehmerz,Von aller Welt verlassen,

Vor Jammer brach das Herz;Die gab ihr ungebeten

Vom thränennassen Brot,Diess korint' die Treue retten,

Sonst war sie todt."

Empor hob es sieh aus dem Baum,Verlor sich in des Aethers Raum,Ein Vöglein, das sich aufgeschwungen,Seheint es, hat dieses Lied gesungen,Das ihn in seinem HerzeleidErfüllt mit neuer Bitterkeit.Und leise in dem prächt'gen SaaleKlingt traurig es zum dritten Male:

Mein Freund, o lass Dir sagen,Die Treue liegt am Schrägen."

Wo steckt die Treu"? Wo steckt die Treu'?

So riefen einst die Raben,Und wollten wissen, wo sie sei

Bestattet und begraben?Noch an der Leiche wollten sich

Die Todtenvögel mästen;Der Bissen ist wohl kümmerlich,

Allein er schmeckt zum Besten."

Sie scharrten emsig Grab um Grab

Empor und Leichenschreine,Und mancher Sarg zurücke gab

Geripp' und Todtenbeine;

So suchten nach der Treue schier

Sie viele, viele WochenVergebens, doch man fand von ihr

Nicht das Skelett, nicht Knochen."

Denn einst vor langer, langer Zeit,

Als sie noch ging auf ErdenVerlassen ganz, in Einsamkeit

Mit kläglichen Geberden,Da war's, dass sie ein Heuchler fand,

Von Land zu Land sie hetzte,Und endlich ihr mit Mörderhand

Den Todesstoss versetzte."

Da fand die Leiche liegen man,

Die man alsbald erkannte,Und trug sie auf den Holzstoss dann,

Allwo man sie verbrannte;Das Feuer hat den Leib verzehrt

Und sämmtliche Gebeine,Und blieb von ihr auf dieser Erd'

Nicht eine Spur, nicht Eine."

Kein Knochen mehr, kein Knöchelein,

Ist mehr von ihr zu finden,Als Asche in die Welt hinein

Flog Alles mit den Winden;Die Treu' ist hin, die Treu' ist hin I

Mag über Land und Strecken,Zu finden sie, wohl Mancher zieh'n,

Er wird sie nicht entdecken."

Der junge Kriegsmann horcht und schweigt,Das Lockenhaupt zur Erd' geneigt,Und Alles sieht ihn fragend an;Was will denn hier ein Kervegan?Seit Säculn kämpfte diess GeschlechtTreu unter königlichen Fahnen;Will Er um vorenthalt'nes RechtDen abgesetzten Kaiser mahnen ?Will er in dieser Trauerstunde

29