Zutiefst den Allverlassnen kränken
Und in die kaum geschlagne Wunde
Das Gift satan'schen Hohnes senken? —
Die Treu' dem König, wie vor Jahren,
Wusst' heilig stets sein Stamm zu wahren;
Wo in Verbannung die Gewalten
Des Königs übte ein Bourbon,
Da hat die Mutter und ein Sohn
In Leid und Freud' an ihm gehalten.
Nun in des Kaisers Vorgemach
Ein Spross der Königlich-Gesinnten? —
Weiss er nicht, dass sein Szepter brach
Dass ihn verliessen, die ihm dienten?
Sank doch ein Königlicher nicht
Hinab zu seinem feilen Knechte;
0! manche alte Chronik spricht
Von seinem Stamme und Geschlechte.
Was will nun hier der stolze Mann?
Was will nun hier ein Kervegan?
Warum harrt er so starr, so bleich,
Des Kaisers ohne Kaiserreich?
Da öffnet sich die prächt'ge Pforte, —
Der Kaiser naht, so blass, so still;
Wie klein ist des Gefolg's Cohorte,
Die sonst gar nimmer enden will?
Sein stummer Blick durchirrt die Halle,Bald sind die Treuen überschaut;Er fragt nicht, wo sie bleiben alle,Auf deren Treue er gebaut.Jetzt kennt er die besternten SchelmeIm Tressenhut und Kriegerhelme;Er meidet es, durch nutzlos FragenSich neue Wunden selbst zu schlagen.Den Jüngling sieht er, ach! und schnelleTritt er bewegt an ihn heran:
„Was soll zur Frist an dieser Stelle,Ein königlicher Kervegan?"
„„Mein Cäsar, Eins erfleh' ich, Eins:Gestatte, dass ich Dich geleite,Ich weiche nicht von Deiner Seite,Dein Schicksal sei in Zukunft mein's.""
Ein Freudenstrahl durchzuckt so lichtMit Eins des Kaisers Angesicht,In dieser schwersten Stunde ebenSo heiligen Moment zu leben;Doch plötzlich formt der alte SchmerzDiess stolze Angesicht von Erz;„Graf Kervegan," beginnt der Held,„Es führt Bourbon gerechte Klage,Wenn ihm an seinem schönsten TageDer treusten Diener Einer fehlt;Der Kaiser ist jetzt aufgegeben,Dem Könige gehört Ihr Leben,Ihm können Sie nun besser dienen —Graf Kervegan, Gott sei mit Ihnen I"
„„Mein Kaiser, meinem König dientMein Bruder, königlich gesinnt;Ich diene Dir, mein Cäsar, treuUnd zieh' mit Dir, wohin es sei.""
Der Kaiser schweigt, sucht zu ersticken,Was feucht aufglüht in seinen Blicken;Könnt' Etwas sein betrübtes LoosJe mildern, dann war's die Sekunde,In welcher süssen Balsam gossSo seltne Treu' in seine Wunde.
Der Kaiser, des Entzückens Beute,Drückt stumm dem Jünglinge die Hand;Und als das Kriegsschiff stiess vom Strand,Stand Kervegan an seiner Seite.
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