Zum Thron sich nicht die Füsse brach?Du trägst Reichsapfel nach und Schwerdt:Im ersten wühlt ein arger Wurm,Und durch den Träger schier entehrt,Bannt kaum das Letztere den Sturm,Der wieder einst erwacht in Landen,Wenn Deine Willkühr sie empfanden. .Das Szepter wird, von Dir getragen,Zum Kerbholz angemasster Hechte,So lang man Menschen hält für Knechte,Volksweh vergessend bei Gelagen.
Die Garde, die mit ihrem BlutDes Kaisers Epopee geschrieben,So gross in ihrem Heldenmuth,Ach! und so engelgleich im Lieben,Die Garde ohne Goldverbrämung,Der Marschallshaufen niedrer Lohnung,Hat, den Marschällen zur BeschämungUnd ihrem Cäsar zur Versöhnung,Gar treu an dem all der GewaltenEntbltfssten Kaiser fest gehalten,Und harrt mit fast gebrochenem MutheDer längstgefürchteten Minute.
Jetzt, da das schwerste der GewichteIn der Geschicke Wagschal' sank,Dass selbst die Muse der GeschichteEntgleiten liess den Griffel bang,Im Zweifel: ob sich kann im LebenDer Menschheit Aehnliches begeben,Jetzt lagen rings die weiten HallenIn tiefer Stille heil'gem Bann,Dass man der Sanduhr Körner fallen,Des Staubes Flüstern hören kann.
Umrankt von hohem FensterbogenHarrt stumm ein Jüngling, narbenreich jDes Busens ruheloses Wogen
Verräth sein Antlitz todesbleich;Das Aug' ist trocken; mehr als ThränenDoch äzt die Gluth, die darin loht;Wer dieses Auge schaut, möcht' wähnen,Er schaut in's Angesicht dem Tod;Den höchsten Jammer dieser ErdeVerrieth die schweigsame Geberde.Die Hand, zur Faust geballt, umschlangDes Säbels Griff an linker Seite,Ein Säbel, der viel Blut schon trankIn sieggekröntem Feindesstreite;Der kräft'gen Glieder EbenmassVerrathen krieg'rische Gewänder;Die Sonnenglut vorschiedner LänderHat dieses Angesicht, so blass,Mit Schattentinten stark gedunkelt,Dass wie ein Blitz aus Wolkennacht,Wie Fackellicht aus schwarzem Schacht,Der Blick aus seinen Augen funkelt.Da stand er schweigend und vertieft,Die schwere Stunde zu erwarten,Indess sein Aug' die BlumenschriftErforscht im nahgeleg'nen Garten,Wo die gigantengrossen BäumeAufragend in die laue Luft,Sanft in die traurig-stillen RäumeEntsenden den noch jungen Duft.
Und wie er steht und wie er sinnt,Da säuselt ihm in's Ohr der WindUnd ruft ihm leis' und leiser zu:
„Komm, armes Herz, zur Ruh', zur Ruh'lUnd lass es dir nur sagen:Die Treue starb am Schrägen I"
Den Jüngling kalt es überläuft,
So schmerzlich ihn die Worte trafen,
Und er an seinen Säbel greift,
Den schändlichen Verrath zu strafen.
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