— 37 —
ausgenommen das Philippsthor, auf welchem vier Wacht-häuschen gebaut waren; zwischen den Haupt- und Vor-thoren befanden sich Zugbrücken. An den Seiten stan-den Vertheidigungsthürme und zwischen diesen und demeigentlichen Thore waren Bollwerke angebracht. Die Stadt-mauer war mit doppelten, breiten und tiefen Wassergräbenumgeben. Zwischen diesen lag ein starker Wall, der dieHöhe der Stadtmauer beinahe erreichte und diese somitdeckte. Ueberreste von letzterem bilden die heutige Lin-denpromenade und der sog. Kannengiessers-Graben zwi-schen Holz- und Oberthor. Die heutige Linclenpromenacleheisst noch im Volksmunde die „alte Promenade". Siewurde Ende vorigen Jahrhunderts durch theilweise Abtra-gung des Walles zuerst angelegt, die übrigen „Promena-den" entstanden erst später. Längs der ganzen Stadtmauerlief innenseitig früher eine sechszehn Fuss breite Strasseringsherum, welche bei Belagerungen für die Bewegungder Besatzung diente. Durch eingebaute Häuser u. s. w.ist diese Strasse jetzt verschwunden, nur am Holzthor„hinter der Mauer", heute im Andenken an die ehemaligeBefestigung „Wallstrasse" genannt, ist noch ein Theil da-von zu sehen. Die im Jahre 1493 neuerrichteten Festungs-werke wurden 1536 vom Herzog Johann von Jülich nocherweitert.
Die Grenzen der Dürener Gemeinde wurden im Mittel-alter jährlich in der Fastenzeit durch ein feierliches Geleitedes Bürgermeisters, der Schöffen, des Rathes und der Sie-benten, vieler Alten aus der Bürgerschaft, Junggesellen,Studenten und Knaben besichtigt und festgestellt, wobei dieHunnen oder Feldschützen die Grenzsteine vorwiesen, dieGräben erneuerten und Wische steckten. An jedem Grenz-zeichen pflegten zwei Jungräthe den Schulknaben zumGedächtniss Bretzeln hinzuwerfen, um ihr Zeugniss zusichern. Das Geleite ging nach einer alten Urkunde an beim„dürener Baum", welchen man sich etwa an Stelle des jetzi-gen Jägerkreuzchens oder vielleicht auch des Muttergottes-häuschens zu denken hat. Von ihm ging das Geleite anden Weiern vorbei nach dem Bedburhaus, diesseits an der