I. Kapitel.
Düren zur Römerzeit.
Die Geschichte unserer ziemlich in der Mitte zwischenKöln (Colonia Agrippina) und Aachen (Aqua, Aquisgranum)auf dem rechten Ufer des Ruhrflusses (bei den Römernund im Mittelalter Rura, altdeutsch Ruhr, holländisch Roer,französisch Roer) gelegenen Stadt Düren reicht über dieGrenze christlicher Zeitrechnung hinaus, ist aber für dieälteste Zeit in ziemlich undurchdringliches Dunkel gehüllt.Fast nur der Ortsname Düren, bei den Römern Marcodu-rum (Tacitus historiae IV, 28), lässt einige Schlüsse ziehenauf Alter und Entstehung des Ortes. Der Name hat dieverschiedenartigsten Deutungen erlebt. Der Dürener Fran-ziskaner-Guardian (1633—36) Jacob Pohl (Polius), welcherAnfangs des 17. Jahrhunderts alle Nachrichten, die sichnach der Zerstörung Dürens von 1543 erhalten hatten,sammelte, hat den Namen aus dem Griechischen <1vou da-hin zu erklären gesucht, dass Düren an der Grenze Germa-niens gleichsam die ,,Thüre" des Reiches gewesen sei! DieVerfasser der Sammlung von Materialien zur GeschichteDürens (Pfarrer Bonn, Apotheker Damian Rumpel undFriedensrichter Fischbach) schliessen ebenfalls von derLage des Ortes auf seinen Namen und sagen, „Mark" be-deutet die Grenze eines Gebiets, „thüren" (latinisirt Durum)die Fahrt über einen Fluss. „Markthüren" heisse dahersoviel wie Grenzüberfahrt. „Die Grenze der Ubier erstrecktesich nämlich längs der an Düren vorbeifliessenden Ruhr.Vielleicht aber wurde Marco dem Worte thüren zu Ehrendes römischen Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa, derhier eine statio militaris anlegte, beigefügt." Die „Mate-rialien" S. 2 halten also wie Linde & de Bruyn, Beschr.u. Gesch. d. Stadt Düren (Aachen 1823) S. 25, Dürenfür ein altdeutsches Wort. Diesen Deutungen gegenüberbehaupten Andere (so Franz Mone in seinen keltischenForschungen), das Wort Düren bedeute im Keltischen soviel