XXVII
2. Herstellung der Verreibungen.
§ 7.
Verreibung trockener Substanzen.
(Unter Berücksichtigung der Grundregel in Hahnemanns Chronischen Krankheiten»II. Teil 1828, Seite 4.)
Bei der Herstellung der Verreibungen verfährt man in folgender Weise:
Nach der Zentesimalskala wird 0,1 Gramm mit 9,9 Gramm, nach der Dezimalskala1 Gramm mit 9 Gramm Milchzucker verrieben, und zwar wird der Milchzucker in dreigleiche Teile geteilt. Den ersten Teil gibt man in eine Porzellanschale, rührt einige Maleum, um eventuell Poren des Mörsers zu verschließen, gibt den Urstoff zu und reibt dann6 Minuten lang mit einiger Kraftanstrengung, dann schabt man 4 Minuten lang ab,reibt abermals 6 Minuten und schabt wieder 4 Minuten lang ab, hierauf setzt man daszweite Drittel Milchzucker zu, reibt abermals 6 Minuten und schabt wieder 4 Minutenlang ab und wiederholt diese beiden Manipulationen nochmals. Man fügt schließlich denRest Milchzucker hinzu und verfährt wieder in der soeben angegebenen Weise, so daßalso 10 Gramm der Verreibung 1 Stunde Arbeitszeit benötigen. Indem 0,1 Gramm der1. Zentesimalverreibung oder 1 Gramm der 1. Dezimalpotenz wieder mit 9,9 bzw. 9 GrammMilchzucker in der gleichen Weise verrieben werden, erhält man die 2. Zentesimal-, bzw.die 2. Dezimalpotenz. In der gleichen Weise werden die höheren Potenzen bereitet.
Hahnemann gab die beim Verreiben zu beobachtenden technischen Vorschriften loc. cit.Seite 5 mit folgenden Worten:
„Man tut zunächst die Substanz (1 Gran) auf ein ungefähres Drittel von 99 Gran Milch-zuckerpulver in die unglasierte (oder mit nassem Sande auf dem Boden mattgeriebene) Porzellan-reibeschale, rührt Arznei und Milchzucker einen Augenblick mit dem porzellanenen Spateluntereinander und reibt das Gemisch mit einiger Kraft sechs Minuten lang, scharrt dann binnenvier Minuten das Geriebene von dem Boden der Reibeschale und von der (ebenfalls mattgerie-benen oder unglasierten) Porzellanreibekeule (damit das Geriebene gleichartig untereinanderkomme) und reibt dieses Aufgescharrte, ohne Zusatz, nochmals (zum zweiten Male) sechs Mi-nuten lang mit gleicher Kraft. Zu dem nun wiederum binnen 4 Minuten auf und ab gescharrtenPulver (wozu das erste Drittel der 99 Grane verwendet wurde) wird nun das zweite Drittel ge-tragen, beides mit dem Spatel einen Augenblick zusammengerührt, wieder 6 Minuten mit gleicherKraft gerieben, das dann binnen 4 Minuten Aufgescharrte (ohne Zusatz) zum zweiten Male6 Minuten lang kräftig gerieben und, wenn es in 4 Minuten aufgescharrt worden, mit dem letztenDrittel Milchzuckerpulver durch Umrühren mit dem Spatel vereinigt, um so das Gemisch nach6 Minuten langem, kräftigem Reiben und 4 Minuten langem Wiederaufscharren zum letztenMale noch 6 Minuten zu reiben und dann rein aufzuscharren. Dies ist die erste Verreibung.
Um nun die zweite Verreibung zu bereiten, wird ein Gran der ersten Verreibung zu einemDrittel von 99 Gran (also 33 Gran) frischem Milchzuckerpulver getan, in der Reibeschale mitdem Spatel umgerührt und ebenso verfahren, daß jedes solches Drittel zweimal 6 Minuten kräftiggerieben und nach jedem 6 Minuten langen Reiben (wohl etwa 4 Minuten lang) aufgescharrtwird, ehe das zweite Drittel und (nachdem dies ebenso behandelt und wieder aufgescharrt wor-den) ehe das letzte Drittel Milchzucker darunter gerührt und ebenso zweimal 6 Minuten geriebenwird, um es dann aufzuscharren und in ein zu verstopfendes Glas zu tun.
Ebenso wird mit einem Gran der zweiten Verreibung verfahren, um die dritte herzustellen.Das Reiben soll mit Kraft geschehen, doch nur so stark, daß das Milchzuckerpulver sich nichtallzu sehr am Boden der Reibeschale festsetze und binnen 4 Minuten aufgescharrt werden könne."