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2 (1914)
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Die synthetischen Arzneimittel.

Kreise für dieses neue Arbeitsgebiet jedes, auch das einfachsteund in keiner Weise etwas Neues bietende Präparat Beachtungfand, während große Nebengebiete, wie dasjenige der Organo-therapeutica, der Sera, der Nährmittel, der Desinfektionsmitteldurch das Auftauchen neuer Gesichtspunkte plötzlich erschlossenwurden und zu Neuschöpfungen reichlich Gelegenheit gaben,änderte sich dies mit der Zeit vollkommen. Die Leichtigkeit derHerstellung von Analogieprodukten, es sei nur an die unab-sehbare Zahl der Salizylpräparate erinnert, die Lancierungder gleichen chemischen Produkte unter verschiedenen Namen,und diejenige wertloser Präparate und beliebiger Rezeptgemischedurch ad hoc geschaffene Fabriken und Fabrikchen zweifelhaftesterArt, hatten allmählich zu einer Überproduktion geführt, die eineReaktion herbeiführen mußte, und glücklicherweise auch herbei-geführt hat.

Es gibt heute keinen Menschen, der sämtliche auf den Marktgebrachten Arzneimittel auch nur dem Namen nach zu kennenvermöchte, sind doch allein in dem Riedeischen Mentor vomJahre 1908 ca. 4500 Präparate, die alle einen mehr oder wenigergeschmackvollen Namen besitzen, aufgeführt, und das Ergänzungs-heft von diesem Jahre führt wieder weitere ca. 950 Präparate an.

Aus dem vor 25 Jahren erst angepflanzten, üppig gedeihen-den Walde war im Anfange des 20. Jahrhunderts ein Urwaldentstanden, durch den auch der Fachmann sich kaum mehr einenWeg zu bahnen wußte.

Das Unkraut der Pseudosynthetica bedeckte den Boden,das Gestrüpp der Gemische und Mixturen versperrte den Zugangzu den gesunden Baumbeständen, und an diesen selbst ranktesich das Schlinggewächs der Geheimmittel empor und suchtesie zu ersticken. Nur die gewaltigen Baumriesen, die fest imErdreich wurzelten und all das Gestrüpp weit überragten, konnteninfolgedessen gedeihen und zum Lichte emporwachsen, und sieallein sind es, die dauernde Beachtung gefunden haben.

In der Tat ist die Überproduktion, die eine Zeitlang der pharma-zeutischen Industrie ernste Gefahr zu sein drohte, für sie vongroßem Nutzen geworden, sind doch heute die Zeiten, wo jedeswertlose Präparat, ja jedes Schwindelmittel einer ärztlichenEmpfehlung sicher war, wenn ihm nur durch eine märchenhafteKonstitutionsformel, durch einen lateinischen oder vielmehrküchenlateinischen Namen ein wissenschaftliches Mäntelchen um-gehängt war, vorüber, und ist doch heute durch die gewaltigen

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