Die synthetischen Arzneimittel.
Es möge den Freiburgern ein Entgelt für die damals aus-gestandenen Leiden sein, daß der Name ihrer Stadt unlösbarverknüpft ist mit dem Namen derjenigen Mittel, welche Jahr-zehnte hindurch unzähligen Menschen Linderung und Vergessengebracht haben, und die erst in allerneuester Zeit von noch wert-volleren Präparaten, dem Veronal, Adalin, Alendrin in den Hinter-grund gedrängt worden sind.
Inzwischen war, wie bereits erwähnt, auch von chemischerSeite das neue Arbeitsgebiet energisch in Angriff genommenworden und man versuchte naturgemäß von den soeben bekanntgewordenen oder den bereits bekannten wirksamen Präparatenaus zu noch wirksameren zu gelangen. Dies mißlang vollkommen.
Zwar entstand aus dem Chloral die Chloralose, das Chloral-urethan, das Chloralamid, das Chloralformamid, das Hypnal usw.
Zwar aus dem Antipyrin Derivate aller Art, das Tussol, dasTolypyrin, das Tolysal, das Ferropyrin, das Salipyrin usw.
Zwar aus dem Phenylhydrazin, dem Ausgangsprodukte desAntipyrins, das Pyrodin, das Agathin, das Antithermin.
Zwar wurden Azetanilid und Phenazetin selbst in der ver-schiedenartigsten Weise variiert, und so entstanden Formanilid,Exalgin, Thymazetin, Malakin, Lactophenin, Phenocoll, Ther-modin, Neurodin, Salophen u, a.
Aber keine dieser neuen Mittel erfüllten die Erwartungen.Keines war wirksamer als die Ausgangsprodukte, manche schwächer,manche giftiger, manche nur für Spezialzwecke brauchbar, undfast alle, wohl nur mit Ausnahme des Salipyrins und Salophens,sind heute längst überholt und vergessen.
Dennoch war .ihre Herstellung nicht vergebens. Denn zumersten Male war durch sie der Kliniker in der Lage, vergleichendeklinische Versuche an gleichartigen chemischen Körpern vongleichartiger physiologischer Wirksamkeit anzustellen, und derPharmakologe in den Stand gesetzt, den Einfluß des Austauschesoder der Einführung einzelner Gruppen an dem gleichen Atom-komplex in größerem Umfange zu studieren.
Schon zu Beginn dieser Forschungen erhielt man wichtigeAnhaltspunkte:
Das Methylsulfonal war vollkommen wirkungslos, das Äthyl-sulfonal, das Trional wesentlich wirksamer als das Sulfonal selbst.
Das am Stickstoff methylierte Azetanilid, das Exalgin,erwies sich als weniger antipyretisch als Antifebrin, besaß abereine dem letzteren fehlende analgetische Wirkung.
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