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2 (1914)
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Die synthetischen Arzneimittel.

untersagt, vor allem deshalb, um die Rübenzuckerindustrie voreiner höchst gefährlichen Konkurrenz zu schützen. Das Verbotliegt jedoch auch im Interesse der Konsumenten, weil Rohrzuckerein Nährstoff ist und die künstlichen Süßstoffe seine Gegenwartvorzutäuschen vermögen.

Über die Entwicklung der Arzneimittelsynthese gibt ein vonDr. A. Eichengrün auf der Hauptversammlung des Vereinsdeutscher Chemiker in Freiburg i. B. gehaltener Vortrag dieumfassendste Auskunft, dessen wesentlichste Teile wir nun nachZeitschrift für angewandte Chemie, 1913" folgen lassen. Eichen-grün führte aus:

,,Es war im Jahre 1887, als der junge Leiter des Labora-toriums der Elberfelder Farbenfabriken, Dr. Carl Duisberg, denwährend der Ferien in seinem Laboratorium arbeitenden Dr. OttoHinsberg zu Versuchen veranlaßte, das Paranitrophenol in einDerivat des Azetanilids überzuführen.

30.000 kg Paranitrophenol lagerten, in alte Petroleumfässerund Behälter aller Art verstaut, auf dem Hofe der ElberfelderFabrik, und immer größer wurden die Vorräte an diesem wert-losen Nebenprodukt des Dianisidins.

Es war dies um die Zeit, als durch eine eigenartige Verwechs-lung mit dem ihm äußerlich so ähnlichen Naphthalin in derKoppschen Apotheke in Straßburg die starke fieberherabsetzendeWirkung des Azetanilids erkannt wurde. Mit Windeseile flogdie Kunde von den überraschenden Eigenschaften dieses so langeschon bekannten Körpers durch die wissenschaftliche Welt, undzum ersten Male wurde so im Jahre 1887 dem Chemiker die Offen-barung zuteil, daß es möglich sein würde, nicht nur durch diekomplizierte Synthese chininartiger ringförmiger Basen, sondernauch aus leicht zugänglichen Körpern von einfachen Konstitutions-formeln Fiebermittel, Arzneimittet, Heilmittel zu schaffen.

Begierig griffen Duisberg und Hinsberg die neue Idee auf;bald war die Frage gelöst und, nach Freiburg zurückgekehrt,übergab Hinsberg dem dortigen Professor der PharmakologieKäst dasÄthoxyazetanilid zur Feststellung seiner physiologischenEigenschaften.

Kasts Versuche erwiesen alsbald, daß das neue Präparatnicht nur ein ebenso gutes, sondern vor allem ein wesentlichungefährlicheres Fiebermittel sei als das Antifebrin.

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