Die Harze.
Die Hauptbestandteile der Lacke und Firnisse sind demnachHarze und gewisse trocknende Öle, endlich die Trockenmitteloder Sikkative. Ehe wir die Darstellung der Lacke und Firnisseselbst erörtern, müssen wir uns zunächst mit den Harzen undihren Eigenschaften befassen.
i. Die Harze.
Die Harze sind Ausscheidungen vieler Pflanzen, sie bildenamorphe, nicht kristallisierende Massen. Ihrer chemischen Zusam-mensetzung nach sind sie stickstoffrei, bilden aber Gemengekompliziert zusammengesetzter chemischer Verbindungen. Inden Pflanzen sind sie häufig in ätherischen ölen, wie z. B. Terpen-tinöl, gelöst und treten freiwillig oder an verletzten Stellen zunächstals halbflüssige Massen, als sogenannte ,, Balsame" aus. Dieseverändern sich an der Luft, indem das ätherische öl verdampftund gleichzeitig meist auch Sauerstoff aufgenommen wird, wobeidann das Harz hinterbleibt.
Man gewinnt die Harze in der Weise, daß man die harzführen-den, zur Harzgewinnung geeigneten Pflanzen verletzt und dasaustretende Harz sammelt, das dann der weiteren Verarbeitungunterzogen wird. Neben diesen Harzen verwendet man jedochauch fossile Harze, die zum Teile von schon ausgestorbenenPflanzenfamilien stammen, zu ihnen gehören der Bernstein unddie Kopale.
Die Harze sind in Wasser unlöslich, lösen sich dagegen verhält-nismäßig leicht in flüchtigen Lösungsmitteln, wie Alkohol undÄther, ätherischen ölen usf. Wie erwähnt, sind sie durchauskeine einheitlich zusammengesetzten Körper, sondern Gemengemehrerer Verbindungen in stark wechselnden Verhältnissen.So enthalten die Harze Säuren, die Harzsäuren oder Resinolsäuren,die mit Basen Salze, sogenannte „Harzseifen" zu bilden vermögen,ferner alkohol- und phenolähnliche Verbindungen, die Resinole,die meist kristallisierbar sind. Ferner sind phenolähnliche Ver-bindungen mit ähnlichen Eigenschaften wie die Gerbstoffe, dieResinotannole, und endlich amorphe Verbindungen, die Resene vor-handen. Die Harzsäuren und die alkoholähnlichen Verbindungen,die Resinole, sind in den Harzen häufig zu Estern verbunden.Diesem Verhalten ist es zuzuschreiben, daß die Harze, trotzihrer amorphen Beschaffenheit und Wasserunlöslichkeit dochverhältnismäßig reaktionsfähige Körper sind, worauf zum Teileauch ihre Verwendung beruht.
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