Das Färben.
er in allen Fällen, einerlei ob Wolle oder Baumwolle, Seide oderJute gefärbt wird, nach dem gleichen, einfachen Schema verläuft.Denn die chemischen Eigenschaften der Fasern sind grundver-schieden und wir haben vielmehr volle Ursache zu der Vermutung,daß es sich in der Mehrzahl aller Fälle um höchst verwickelte,für jede Faserart verschiedene chemische Vorgänge handelt.
Dazu gesellt sich noch die Tatsache, daß in neuester Zeitauch die mechanische Anschauung mit zur Erklärung der Er-scheinungen herangezogen wird. Allerdings nicht in so grob-sinnlicher Weise, wie es die oben angedeutete Porentheorie tut,sondern auf Grund der Erkenntnis der physikalischen Beschaffen-heit der Fasern, die nach mancher Richtung einen kolloidalenCharakter besitzen, ebenso wie die Beizen und Farbstofflösungenselbst. Die Kolloide sind häufig imstande, vermöge ihrer bedeuten-den Oberfläche besondere Kräfte zu entfalten und mit ihrer Hilfeanziehend auf andere Körper zu wirken, wobei sogenannte ,,Ad-sorptionsverbindungen" entstehen. Es ist nun sehr wahrscheinlich,daß einerseits rein chemische, anderseits physikalische Kräfteim Spiele sind und durch Zusammenwirken das Zustandekommenall der verwickelten Erscheinungen bedingen, auf denen in letzterLinie das Färben oder richtiger die Anlagerung von Farbstoffauf der tierischen oder aus dem Pflanzenreiche stammendenFaser beruht.
a) Färben mit Beizenfarbstoffen.
Die in diese Gruppe gehörenden Farbstoffe besitzen diegemeinsame Eigenschaft, daß sie ausschließlich oder doch vor-wiegend nur unter Vermittlung von Metallsalzen als Beizen aufder pflanzlichen oder tierischen Faser befestigt werden. Der amlängsten bekannte Farbstoff dieser Gruppe ist das Alizarin. Beizen-farbstoffe werden zum Färben und Bedrucken von Baumwolle,Leinen, Wolle und Seide verwendet und zeichnen sich überhauptdurch bedeutende Wasch- und Walkechtheit aus. Da sie zu denechtesten Farbstoffen gehören, über die wir verfügen — denn siesind auch hervorragend lichtecht und widerstehen auch gutchemischen Agenzien, wie schwefeliger Säure, Chlor, Säurenund Alkalien — werden sie in steigender Menge verwendet. Auchdie meisten der natürlichen Farbstoffe, die große Echtheit be-sitzen, sind Beizenfarbstoffe.
Das Färben mit den Beizenfarbstoffen wird gewöhnlich inder Weise ausgeführt, daß das Zeug zunächst in einem Bade
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