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2 (1914)
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Die Teerfarbstoffe.

Die Mineralfarbstoffe wurden schon im ersten Bande ein-gehend erörtert. Es erübrigt mithin nur die Besprechung derorganischen Farbstoffe, von denen wir jedoch bloß die Teerfarb-stoffe in den Kreis unserer Betrachtungen ziehen wollen, weil ihnengegenüber die Bedeutung der natürlichen vegetabilischen undanimalischen Farbstoffe gegenwärtig schon sehr gering ist.

i. Entwicklung der Teerfarbenindustrie.

Wie schon angedeutet, ist der bei der trockenen Destillationder Steinkohlen, bei der Leuchtgasfabrikation und der Kokereiauftretende Teer das Ausgangsprodukt für die Herstellung derTeerfarbstoffe. Wie wir im vorhergehenden Abschnitte gesehenhaben, ist der Teer ein Gemenge zahlreicher chemischer Verbin-dungen, die abgeschieden, getrennt und gereinigt werden müssenund von denen dann gewisse weiter durch chemische Vorgängeumgewandelt und schließlich in Farbstoffe übergeführt werdenkönnen. Die Entwicklung der Industrie der Teerfarben ist sointeressant und hängt so innig mit der Ausgestaltung der Chemieder Benzolderivate zusammen, sie ist heute so wichtig und aus-gedehnt, daß wir es für angezeigt halten, der Erörterung dertechnischen Seite einen kurzen Überblick über ihre Entwicklungvorangehen zu lassen.

Die ersten Nachrichten über eingehendere wissenschaftlicheUntersuchungen des Steinkohlenteeres stammen schon aus dem17. Jahrhundert, der gewaltige Aufschwung, den die Verarbeitungdes Teeres nahm, wodurch dieses anfangs mißachtete undlästige Nebenprodukt ein wertvoller und wichtiger Körperwurde, datiert jedoch erst seit der Entdeckung der ersten Teer-farben im Jahre 1856.

Die Darstellung einiger weniger gefärbter und färbenderSubstanzen auf chemischem Wege war damals allerdings auchnicht mehr völlig neu, doch hatten diese Wahrnehmungen nursehr geringe praktische Bedeutung erlangt. Schon im Jahre 1776hatte der schwedische Chemiker Scheele die Darstellung desMurexids aus der Harnsäure gezeigt und 1788 lehrte Hausmanndie Gewinnung der Pikrinsäure aus Indigo. Welter gab 1827Verfahren an, um mit Indigo blau gefärbte oder auch ganz unge-färbte Wolle und Seide durch Einwirkung von Salpetersäure gelbzu färben, wobei sich in beiden Fällen Pikrinsäure bildet. Anfangsder fünfziger Jahre begann man Murexid in größeren Mengen

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