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2 (1914)
Entstehung
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Einleitung

Die Synthese macht uns unabhängig von Vorgängen, die oft unregel-mäßig verlaufen, sie gestattet häufig, die Stoffe in weit größererReinheit, als sie die Natur liefert, darzustellen und endlich hatdie Synthese dazu geführt, eine gewaltige Anzahl von oft technischhochwichtigen Verbindungen zu gewinnen, die wir überhaupt inder Natur nicht vorfinden.

Wohl die wichtigste Stelle unter den synthetisch gewonnenenKörpern der ersten Gruppe nehmen gewisse Farbstoffe ein. Alizarin(Krapp) und Indigo wurden früher nur aus Pflanzen gewonnen,heute wird fast ihre gesamte Menge nur mehr synthetisch dar-gestellt. Die Entdeckung des künstlichen Alizarins steht jedochziemlich am Beginne der Reihe vieler wichtiger Entdeckungen,unter denen die der Teerfarbstoffe wohl die bekanntesten sind.Das Heer von Teerfarbstoffen, das alle erdenklichen Farben-schattierungen und Färbungen in sich schließt, wird ausschließlichsynthetisch erzeugt und hatte eine Entwickelung der Färbereiim Gefolge, die niemals vorauszusehen war, als man noch aus-schließlich auf die Verwendung der zumeist aus dem Pflanzen-reiche stammenden natürlichen Farbstoffe angewiesen war.

Doch hat sich die synthetische Chemie nicht bloß auf dieDarstellung von Stoffen, die als Farbstoffe dienen, beschränkt.Es gelang ihr auch zahlreiche andere, wichtige Erzeugnisse derNatur nachzubilden, wie gewisse Alkaloide, dann organischeSäuren, Riechstoffe usf. Endlich führte sie auch zur Bereitungneuer Körper, die als Arzneimittel heute eine höchst bedeutsameRolle spielen, die Salizylpräparate, Anästhetika, die Hypnotika,die künstlichen Süßstoffe etc. seien als einige wenige Beispieledieser Art genannt. Wohl den größten Triumph der Synthesebildet die erst vor ganz kurzer Zeit geglückte Darstellung desKautschuks, und zwar nicht etwa eines Kautschuksurrogates,sondern einer Substanz, die nach jeder Richtung, also sowohlihrer chemischen Zusammensetzung nach als auch in ihren physi-kalischen Eigenschaften mit dem natürlichen Kautschuk voll-ständig identisch ist. Diese Entdeckung ist um so höher anzu-schlagen, als hier zum ersten Male die Synthese eines nicht kristal-lisierenden Körpers, eines ,,Kolloids", glückte. Freilich kann dieTechnologie von Synthesen, die aus natürlichen Substanzengewinnbare Stoffe liefern, nur dann Gebrauch machen, wenn dasKunstprodukt billiger oder aus irgend einem besonderen Grundewertvoller ist als das Erzeugnis der Natur, denn sonst wäre esunwirtschaftlich, sich der Synthese zu bedienen — und gerade beim

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