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Einleitung
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synthetisch, also künstlich und ohne Vermittelung von Pflanzeoder Tier, darzustellen.
Eine Entdeckung Wählers im Jahre 1828 legte dann einegewaltige Bresche in diese allgemein geltende Anschauung. Esgelang ihm, aus rein anorganischen Stoffen, aus Cyansäure undAmmoniak den Harnstoff darzustellen, ein typisches Abscheidungs-produkt des tierischen Organismus. Dadurch, sowie durch diebald darauf geglückte Synthese der Essigsäure durch Vermittelungvon Kohlenstoff, Schwefel, Chlor, Wasser und Zink und einigeranderer rein synthetischer Darstellungsweisen organischer Stoffewurde die Annahme einer besonderen Kraft, die zur Erzeugungorganischer Stoffe erforderlich sei, hinfällig. Diese Beobachtungen,so einschneidend sie auch waren, genügten jedoch damals nochnicht, um die Kluft zwischen Anorganischem und Organischemvollständig zu überbrücken. Noch in den vierziger Jahren desvergangenen Jahrhunderts hielt man an der Anschauung fest,daß chemische Kräfte nur zu zerstören, doch niemals aufzu-bauen vermögen und definierte mit Berzelius die organischenSubstanzen ausschließlich als solche, die unter Vermittelung derLebenskraft gebildet werden.
Doch war der Stein im Rollen und es gelang bald, andereund wichtige organische Substanzen auf synthetischem Wege auf-zubauen. Dadurch wurde die Annahme der Lebenskraft, der„vis vitalis", nicht nur hinfällig, sondern geradezu überflüssigund die älteren Anschauungen mußten endgültig verlassen werden.Heute besteht kein schärferer Unterschied mehr zwischen orga-nischen und anorganischen Verbindungen, als der, daß die erstenstets Kohlenstoff enthalten, aber wir sind heute imstande, einesehr große Zahl streng organischer Substanzen, wie z. B. dieZuckerarten, den Kautschuk, ja sogar Eiweißkörper aus anorga-nischen Rohstoffen ohne Vermittlung von Pflanze oder Tier inder Retorte aufzubauen. Anorganische und organische Ver-bindungen unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander, diebesonderen Eigenschaften und Eigentümlichkeiten der organischenSubstanzen beruhen nur auf der Vielseitigkeit ihres wesentlichenBestandteiles, des Kohlenstoffes.
Man bezeichnet daher jenen Teil Chemie, der sich mit denEigenschaften der „organischen Verbindungen" befaßt, am zu-treffendsten auch als „Chemie der Kohlenstoffverbindungen" , undwenn dieses Gebiet der Naturwissenschaften meist gesondert von
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