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Nervosität und Einheit des Unterrichts.
alles in bester Ordnung. Wie ihren Direktoren, so. fehlt auch denLehrern vielfach etwas sehr Wesentliches. Die Schulprogramme, sowieauch die Mädchenschulzeitschriften mit ihrem bedenklichen Mangel antiefergehenden pädagogischen Arbeiten, verraten, dafs nicht nur, wieschon bemerkt, in den Kreisen der Direktoren, sondern auch in den-jenigen der Lehrer pädagogische Kenntnisse und pädagogisches Inter-esse viel zu wenig verbreitet sind. Es kann doch wohl kaum bestrittenwerden, dafs nicht allein die äufsere Gestalt der hohem Mädchen-schule, sondern auch die gesamte Mädchenschulpädagogik erst am An-fänge ihrer Entwickelung steht, und man sollte daher meinen, es gäbeWichtigeres zu thun, als zahlreiche Seiten der Schulgrammatik mit un-übersehbaren mathematischen Formeln zu bedecken*), oder die Zeit-schriften mit Aufsätzen über Malerei, italienische Literaturgeschichteund Reisen im Mittelmeer zu füllen. Wenn kürzlich ein Redakteurerklärt hat, er könne nicht ausschliefslich pädagogische Aufsätzebringen, so wollen wir ihm das gerne glauben, denn was ihm nichtzugeht, das kann er nicht aufnehmen; aber beruhigen kann uns dieseErklärung nicht.
Bei der Vernachlässigung einer tiefem pädagogischen Er-fassung des hohem Mädchenschulwesens läuft man auch hinsichtlichder Agitation für die Hebung der noch verhältnismäfsig jungen Schul-gattung und für deren Organisation leicht Gefahr. Die Überspannungder Ziele und die oft geradezu blinde Nachahmung der hohem Knaben-schulen, welche beide zu vielen nicht immer unbegründeten VorwürfenAnlafs gegeben haben, schreiben sich zum weitaus gröfsten Teile aus.diesem Mangel her. Wenn man umfangreiche Schriften über den »Not-stand der hohem Mädchenschule« verfafst hat, so hätte man unseresErachtens über den wichtigen Gehaltsfragen und den weniger wichtigenRangstreitigkeiten nicht etwas vergessen sollen, was doch wohl eineebenso hohe Bedeutung beanspruchen kann. Dafs die pädagogischeBildung der akademisch gebildeten Lehrer in der Gegenwart eine un-genügende ist, hat auch das preufsische Unterrichtsministerium an-
’) Über die geringe Zahl von Aufsätzen in den Schulprogrannnen , sowie derenoft weit abliegende Gegenstände, vergleiche man die wiederholten Klagen des Di-rektors Büchner (z. B. Zeitschrift für weibl. Bildung 1890, Heft 5).