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Die Nervosität und das erste Schuljahr.
aber statt nun gleich das ganze Schuljahr zu streichen, möchte es sichdoch empfehlen, zuzusehen, ob nicht eine Verminderung der Unter-richtszeit während des siebenten Lebensjahres genügen könnte.
Diese Behutsamkeit ist um so gerechtfertigter, als insbesondere,die höhere Mädchenschule einen sehr umfangreichen Stoff zu bewältigenhat, für den soviel Zeit, wie irgend möglich, gewonnen werden mufs,wenn Krafterwerb und Kraftverbrauch im richtigen Verhältnis stehensollen. Allerdings bringt uns Pelm an hier in einige Verlegenheit, daer die ausgedehnte Schularbeit als für Mädchen nicht zu Recht be-stehend erklärt. Er geht zwar nicht so weit wie Mantegazza,welcher die Unwissenheit der Frau mit einer »frischen Aue« vergleicht,»auf welcher man ehemals von aller Nervosität genas')«, aber es scheintihm auch für die Töchter höherer Stände »das Niveau der Volksschul-bildung, mit dem sich unsere Grofsmütter begnügen mufsten«, hoch ge-nug zu sein * 2 ). Zudem hat er betreffs des Beginns der Schulzeit dieAnsicht des sehr verdienten Arztes Sehr eher für sich, der »laut Na-turgesetz« den Anfang des achten Lebensjahres als den rechten Zeit-punkt für den Beginn des Unterrichtes erklärt 3 ).
Es möchte aber auch von den Einwendungen Pelm ans gelten,was Baginsky 4 ) gegen Schreber u. a. bemerkt, »dafs sie der sonstin der wissenschaftlichen Medizin üblichen Begründung ermangeln, unddafs sie als apodiktische Behauptungen hingestellt, durchaus keinenwissenschaftlichen Wert für sich in Anspruch nehmen können; sprichtdoch nicht einmal die Erfahrung für dieselben, welche so gern vonÄrzten da herbeigezogen wird, wo die Begründung fehlt«.
Aber nicht blofs die Stimmen einzelner Ärzte, sondern auch die-jenigen medizinischer Körperschaften lassen sich der Ansicht Pelm ansgegenüberstellen.
Wie Rochard mitteilt, hat die vom französischen Ministeriumdes Innern am 24. Januar 1884 niedergesetzte Schulgesundheitskommis-sion vorgeschlagen, die Unterrichtszeit in den Primärschulen auf vierStunden täglich zu beschränken, wobei zu beachten ist, dafs zwi-schen je zwei Stunden eine Pause fällt, und der Donnerstag jeder
') Mantegazza, Das nervöse Jahrhundert, S. 89.
Pelman a. a. O. S. 27.
3 ) Schreber, Ein ärztlicher Blick auf unser Schulwesen. Leipzig 1858. S. 10.
+) Baginsky, Schulhygiene, S. 279.