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Das Chronikon des Konrad Pellikan zur vierten Säkularfeier der Universität Tübingen
Entstehung
Seite
XXXVIII
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empfiehlt dagegen für beide Konfessionen eine objektive, von keinerfalschen Rücksicht gefärbte Darlegung ihrer Anschauungen, wie sievon reformirter Seite sein Gesinnungsgenosse Vadian in denAphoris-men gebe, und versichert, dass wenigstens in Zürich durchaus keineVerbitterung herrsche gegen irgend wen:Nos certe (o. a. Brief anBlaurer) non vulgariter , sed ardenter amamus omnes, quos cernimuset sensimus in opere Christi fuisse studiosos, quos multum promovissead reformationem ecclesiae gaudemus. Aehnlich schreibt er den12. November 1537 an Mykonius:sicut ob doctrinas displicentesnobis neminem odimus, sic nec doctrinas nostras ob amicitiam cupi-mus tolerari, sed ad verbum Dei exigi. Non tantus est respectuspersonarum habendus et quicquam contra conscientiam et verbumDomini dissimulandum. Vellem autem omnia libere, synceriter etad faciem geri, dici et scribi a sinceris hominibus.

Diese vorurtheilslose Anerkennung des Verdienstes auch der Gegnerhinderte jedoch Pellikan durchaus nicht, gehörigen Ortes entschiedenePolemik zu treiben. So finden z. B. an verschiedenen Orten seinerEvangelienkommentare und wiederum in seiner Auslegung von Act. 1,Angriffe von Brenz auf die Schweizer ihre energische Abweisung.Doch wird Brenz nicht genannt, was Pellikan in einem Briefe anVadian (3. April 1537; Original in St. Gallen) damit motiviert, erwolle in der Konkordiensache durchaus kein Gewicht in die Waag-schaale legen. Es fehlte nämlich nicht an Solchen, die ihn um seineZustimmung zur Konkordie bestürmten und es gerne gesehen hätten,wenn er seine verbreiteten Kommentare in den Dienst der Unionwürde gestellt haben. Von seinem alten Kollegen Ltithard schreibter (an Mykonius, 12. November 1537):Luthardus perpetuo meflagellat quasi nolentem concedere Bucero. Allein Pellikan hattenun einmal die Ueberzeugung gewonnen, dass der von Buzer ein-geschlagene Weg kein solider sei, und konnte nach seinen Erfahrungenauch der im Frühling 1538 eingetretenen friedlichen Stimmung, derKorrespondenz zwischen Luther und Bullinger einen bloss relativenWerth beimessen (s. die Briefe an Mykonius in der Siml. Samml.).In der That kehrte der Sturm über Nacht zurück, und Luther und