Druckschrift 
Das Chronikon des Konrad Pellikan zur vierten Säkularfeier der Universität Tübingen
Entstehung
Seite
XXXII
Einzelbild herunterladen
 

XXXII

cultum omnibus tandem gentibus in Christo commendandum. An-gesichts solcher Aussprüche verstehe ich nicht recht, wie Diestel dazukommt, a. a. O. Pellikan den Vorwurf zu machen, er verflüchtigekonkret Gemeintes zum Bilde, und es blicken bei ihm die üblichenalten Typen durch. Nüchterner kann man doch das Typische desalten Testamentes nicht wohl fassen als mit dem Wort praeludere!Noch verwunderlicher ist es, dass Coccejus, welcher jene Vorwürfein ausgedehntesten Masse verdient, die Kommentare Pellikans, ohneseinen Gewährsmann zu nennen, bei seinen Schriften Uber das alteTestament vielfach wörtlich ausgeschrieben hat. Und doch warPellikan keineswegs ein Theologe nach dem Herzen des Scripturarius;denn er sucht durchaus nicht nur, wie Diestel sagt,in eben nichtglücklicher Vermittlung die rein historische Beziehung neben dermessianischen festzuhalten, sondern er hält im Gegentheil Geschichteund Typik reinlich auseinander und sagt z. B. zu Hosea XI, i, derProphet rede hier bloss von den Israeliten, Matthäus hingegen beziehedie Stelle auf Christum. Endlich hatte, um nur dies Eine noch anzu-führen, Pellikan einen feinen Sinn für die Kraft der hebräischenPoesie. In einem Briefe an Vadian (22. Juli 1536; Original in St.Gallen) charakterisirt er dieselbe kurz folgendermassen:poetica illalonge ab omni lenocinio nostrorum abhorrens in vehementia affectuumconsistit non numero syllabarum. Die Fehler und Schwächen derPellikanschen Kommentare werden weit überwogen durch ihre bishernicht genugsam beachteten Vorzüge. Im Allgemeinen darf man sagen,dass Pellikan nach Massgabe seiner Zeit für das alte Testament unge-fähr das geleistet hat, was zweihundert Jahre später Johann AlbrechtBengel für das neue.

Was Pellikan über die neulestamentlichen Schriften publizirt hat,ist nach seinem eigenen Geständniss durchweg bloss Bearbeitungvorhandenen Materials, ausgenommen seine viel später als Anhang zuden Paraphrasen des Erasmus erschienene Erklärung der Apokalypse;s. Chron. Einen Anhang zu seinen Kommentaren bildet der umfang-reiche Folioband:

tt