XXIII
Zum Schluss erklärt er sich mit Störs Thesen durchgängig einver-standen. Diese Thesen aber, welche Stör am Münster, am Universitäts-gebäude und an allen Pfarrkirchen und Klöstern der Stadt ange-schlagen hatte, lauteten: „1. Die heylig Ee ist keinem stand in derheyligen geschrifft verbotten. 2. Unküschheit usserthalb der Ee unndhury ist nach allem gsatz allen Stenden verbotten. 3. Unküschheitusserthalb der Ee und hury zu vermyden ist die Ee allen stendengebotten. 4. Sollich unküschheit und hury ist in keinem stand derergernüss halb schädlicher dann in dem priesterlichen. 5. Ein öffent-licher hurer ist nach götlichem gesatz in dem rechten waren Hannunnd desshalb untüglich zu priesterlichem ampt“. Ausser Pellikan undOekolampad nahmen an dem Gespräch Theil der damals geradein Basel anwesende Hartmuth von Kronberg, der nachmalige BielerPrediger Jakob Wirb und die Basler Prediger Jakob Immelin. Wolfg.Wyssenburger, Bonifazius Wolfhart, Peter Frabenberg.
Dass Pellikan für Störs so entschiedene Thesen öffentlich eintrat,ist um so bezeichnender, als er sonst gerade nach dieser Seite hinzur Besonnenheit und zu einem bloss allmählichen Vorgehen mahnte,s. S. in. Als er von einigen Sturmschritten der Strassburger hörte,schrieb er an Capito (April 1524, s. Siml. Samml.): „non alia causavereor periculum negotio, quam ex parte nimium Lutheranizantium,qui, ut obiter placuerit, invertere cuncta moliuntur, hinc enim vehe-menter timeo. Aliud audio, sed non credo et a malignis disseminariputo, de praeconibus evangelii vobiscum, nullo tamen mihi nominato,qui operibus et exemplo ac quotidianis studiis, etiam verbis publiceprolatis contra mansuetudinem et humilitatem agunt et libidini multi-fariam obnoxios eos traducunt.“ „Scio“, fügt er bei, „quantum com-miniscantur Papistae passim.“ Desshalb suchte er ihnen auch seiner-seits jede Gelegenheit zur Verläumdung abzuschneiden. So lange esirgend ging, blieb er im Kloster, und noch im Frühling 1525 wieder-holte er dem Generalkapitel den schon im Sommer 1523 gemachtenoriginellen Vorschlag: es sollen alle des Lutherthums verdächtigenBrüder ihm nach Basel geschickt, und als Tausch an deren Stellendie der Reformation abgeneigten Basler Minoriten versetzt werden!