Druckschrift 
Das Chronikon des Konrad Pellikan zur vierten Säkularfeier der Universität Tübingen
Entstehung
Seite
XX
Einzelbild herunterladen
 

XX

Vgl. S. 88 f. und das dort in Anm. 5 Bemerkte. Pellikan konnte undwollte aber seinem Prediger nicht hindernd in den Weg treten; dennauch für ihn waren die Schriften Luthers, deren Druck er beförderteund deren Lektüre er seinen Ordensgenossen wenigstens nicht wollteverboten haben, Zeichen zumAufstehen aus dem tiefen Schlaf.Immerhin wollte der friede- und ruheliebende Mann in keiner Weiseaggressiv vorgehen. Als daher der Ordensprovinzial, sein Freund undehemaliger Mentor Kaspar Satzger, im Frühling 1523 zur Visitationnach Basel kam, so war sein Erstes, um seine Versetzung einzu-kommen. Satzger schlug ihm die Bitte ab, machte aber dann nach-her doch Miene, ihn und sämmtliche reformatorisch gesinnte Ordens-glieder von Basel entfernen zu wollen; und aus den Anstrengungen,welche die Chorherren und Professoren, die Hohepriester und Schrift-gelehrten, wie Pellikan sie nennt, machten, um den Provinzial zudiesem Schritt zu bewegen, kann man am Besten ersehen, dass dieganzecohors gerade das Barftisserkloster als den Herd der Be-wegung ansah. Pellikan aber, als er bemerkte, dass man mit seinerPerson auch 'die Sache des Evangeliums zu 'beseitigen vorhabe,wollte nun nichts mehr von seiner Versetzung wissen. Und auchder Rath von Basel protestirte, offenbar in vollem Einverständnissmit der Mehrheit der Bürgerschaft, gegen die von dem beeinflusstenSatzger projektirten Personaländerungen. Die betreffenden Protokollesind so charakteristisch, dass wir nicht umhin können, sie zur Er-gänzung der Berichte Pellikans hier abzudrucken. Sie sind enthaltenin einem Hefte des Staatsarchivs, betiteltRathserkanntnussen von15181524 fol. 202 1) und 203, und scheinen bisher nicht beachtetworden zu sein.

Als dann der provincial barffusser Ordens denn bellican gwardianvnnd den predicanten vnnsers clofters vnnd gotzhus hie zu den bar-füssern, die sich bis har wol vnnd erlich gegen Eim Ersamen Rat

als Vikar des kranken Pfarrers bei St. Martin macht: «wer weiss, wenn derZnncker nicht an Gliederschmerzen gelitten hätte, ob wir Reformirte gewordenwären!»