XVII
haltes: von dem psalterium quadruplex für Frobens Hieronymus-ausgabe. Allein gerade der Umstand, dass Pellikan im Sommer 1516in Basel und für Froben mit den Psalmen beschäftigt gewesen, be-rechtigt uns zu der Annahme, dass er den hebräischen Psalter, derim November jenes Jahr aus der nämlichen Presse hervorgieng,ebenfalls der Hauptsache nach besorgt. Pellikans ganzer appendixzur Hieronymusausgabe scheint die Veranlassung zur PublikationCapitos gewesen zu sein; ist doch dort auch dem Psalter eineMiniaturgrammatik „in litteras Hebraeas institutiuncula C. P.“ bei-gegeben, welche freilich bloss die nothwendigsten Aufschlüsse überdas Alphabet und die puncta vocalia enthält. Capito ') war überhauptdamals erst ein Anfänger im Studium des Hebräischen, währendseine beiden Mitarbeiter an jenem Psalter, Pellikan und dessenSchüler Sebastian Münster, schon tiefer in dasselbe eingedrungenwaren.
Später haben wenigstens in grammatikalischen PublikationenCapito und Münster dem ängstlicheren Pellikan den Rang abgelaufen.Dagegen hat dieser nie aufgehört linguistische Studien zu treiben.Nachdem theologische Arbeit dieselben bei ihm eine Zeit lang inden Hintergrund gedrängt, unternahm er gegen das Ende seinesBebens noch das Riesenwerk einer Uebersetzung des Thalmud undanderer rabbinischer Commentare. Zu diesen Arbeiten, von denenseine eigenen Berichte im Chronikon (S. 133 und 172 ff.) und dickeBände von Manuskripten auf den Bibliotheken von Zürich Zeugnissablegen, bewog ihn offenbar in erster Linie das sprachliche Interesse.Von dem Inhalt war er nicht eben erbaut. Er vergleicht die rabbi-nische „Gesetzesweisheit und Gesetzesthorheit, Geistesschärfe undGeistesarmut!)“ (Pressei in Herzogs Realencyld. XV, 615) nicht un-fein mit der scholastischen Wissenschaft der „Magistri Parisienses,
') Ich bemerke hier beiläufig, dass Geiger, Stud. der hebr. Spr. S. 111im Irrthum ist, wenn er sagt, Capito sei nie Professor in Basel gewesen. ImProfessorenkatalog heisst es ad 1515: Capito Oecolampadium pro graduexaminat, sub decanatu L. Beri.