8
König jedoch drückte, nachdem er behutsam umhcrgc-blickt, an einer in der Wand verborgenen Feder, woraufsich alsbald eine Blende aufthat, in welcher eine kleine,in der reinsten Naphtha brennende Lampe und einegelbe Pcrgamentrollc, bedeckt mit wunderlichen Buch-staben und Zeichen, sich befanden. Er steckte die Rollein den Busen, nahm die Lampe in die Hand unddrückte an einer andern Feder innerhalb der Nische,worauf die Wand auscinandcrwich nnd eine enge Wen-deltreppe zeigte. Der König verschloß de» Eingangund stieg hinab. Die Treppe lief endlich in rauhe,dumpfige Gange aus, und das Rauschen von Wasser,das durch die dichten Wände an sein Ohr schlug, zeigteau, daß der Ort unter der Oberfläche der Erde liege.Hell und klar brannte die Lampe in dem Dunkel, undBoabdil eilte mit solcher Ungeduld voran, daß diebeträchtliche Strecke bis zu dem Ziel, auf das er losging, rasch durchmcffcn war. Endlich gelangte er ineine weite Höhle, zu welcher, wie am Anfangspunkteder Gänge nach oben zu, verborgene Thürcn führten.Er stand in einem der vielen Gewölbe, die den aus-gedehnten Bcgräbnißplatz der Könige von Granadabildeten. Vor ihm ragte, mit Mantel und Krone,jenes Gerippe empor, nnd vor ihm glühte jene ma-gische Tafel, deren er in seinem Gespräche mit Musaerwähnt hatte.
„Furchtbares Bild!" rief der Ankömmling, undwarf sich vor dem Skelet auf die Knie nieder: „Schat-ten dessen, was einst ein König, weise im Rath und