jeder Mensch, Ihrer Ansicht nach,... Fehler begangenhat?"
„Fehler oder Verbrechen," sprach Monte Christo mitgleichgültigem Tone.
„Und daß Sie allein unter den Menschen, welcheSie, wie Sie selbst sagten, nicht als Ihre Brüder aner-kennen," versetzte Villefort mit leicht bebender Stimme,...„und daß Sie allein vollkommen sind?"
„Nein, nicht vollkommen, sondern nur undurchdring-lich. Doch genug hievon, mein Herr; wenn Ihnendas Gespräch mißfällt, so bin ich eben so wenig durchIhre Justiz bedroht, als Sie durch mein doppeltes Ge-sicht."
„Nein! nein! mein Herr," cntgegncte rasch Herrvon Villefort, der ohne Zweifel befürchtete, cS könntescheinen, als wollte er das Terrain anfgeben. „DurchIhr glanzendes und beinahe erhabenes Gespräch habe»Sie mich über die gewöhnlichen Nivcaur erhoben; wirplaudern nicht mehr, wir sind ln Abhandlungen begriffen.Sie wissen aber, welche grausame Wahrheiten die Theo-logen auf ihrem Lehrstuhle ln der Sorbonne oder diePhilosophen bei ihren Disputationen sich oft sagen: neh-me» wir an, wir treibe» sociale Theologie oder theologischePhilosophie, so werde ich Ihnen ganz einfach bemerken:„„Mein Bruder, Sie sröhnen dem Stolze, Sic stehenüber Andern, aber Gott fleht über Ihnen.""
„lieber Allen," erwicdcrte Monte Christo mit sotiefer Bewegung, daß Villefort unwillkührlich schauerte.„Ich habe meinen Stolz für die Menschen, für dieseSchlangen, welche stets bereit sind, sich gegen denjenigenzu erheben, der sie mit der Stirne überragt, ohne sie mitdem Fuße zn zertreten. Doch vor Gott, der mich auödem Nichts hervorgezogcn hat, um mich zu dem zn machen,was ich bin, lege ich diesen Stolz ab."
„Dann bewundere ich Sie, mein Herr Graf,"sprach Villefort, welcher zum ersten Male bei der seit-