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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
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Das beste Nuttel sich zu überzeugen, wie viele Fremdwörter mau selbst

^ allen guten Vorsätzen zum Trotze gebraucht, ist die Begründung einer Fremd-

: wörtcr-Aasse, in welche für jedes vermeidbare Fremdwort eine kleine Geldstrafe

? gezahlt werden inuß. 2lus eigener Erfahrung möchte ich empfehlen, den Vei-

trag nicht zu hoch zu bemessen!

, Die Gewohnheit ist eine Entschuldigung, aber keine Rechtfertigung für

einen Nußbrauch. Namentlich bei dein Schreiben ist es Pflicht eines jeden,streng aus seine Schreibweise zu achten und sich nach Nlöglichkeit vor dem alten? Fehler zu hüten. Das geschieht aber vielfach nicht aus Bequemlichkeit und

Gedankcnträgheit. Fremdwörter, die sich uns leicht darbicten, durch deutscheAusdrücke zu ersetzen, ist vielfach nicht so leicht, man muß zuweilen den Ge-^ danken umdenken, einen ganzen Satz um eines Wortes willen ändern: wie viel

bequemer ist es da, das Fremdwort einfach beizubchalten, wenn es auch nichtgerade unentbehrlich ist. Beispiele dafür findet man allenthalben. Namentlichdie Leitungen machen sich in dieser Beziehung mancher Nachlässigkeit schuldig,indem sie aus fremden Blättern ausländische Ausdrücke, statt sie zu übersetzen,^ gleich unmittelbar ins Deutsche herübernehmen. Wie oft haben wir in den

^ letzten fahren von lim«' llo!! und LoII-tovru gelesen: als ob wir in der deut-

schen Sprache keine Ausdrücke für Aönig und Stadt hätten, noch dazu einem" neuen Reichsaugehörigeu gegenüber.

Schlimmer ist die dritte Ursache für den Nußbrauch von Fremdwörtern,^ die Eitelkeit und Bornehmthuerei. Biele glauben sich den Schein höherer

Bildung und besonderer Gelehrsamkeit zu gebeu, weun sie möglichst viele Fremd-wörter anwendeu. Das war früher schlimmer als jetzt, wie wir mit Freudenanerkennen können, aber das Prunken mit dem Fremden hat noch keineswegs, ausgehört. Noch immer bilden sich manche Leute ein, ein Diner und Souper

j sei seiner, als ein Nuttagessen und Abendessen, obgleich doch der Name eine Nkahl-

^ zeit schwerlich schmackhafter und seiner macht. Halbbildung und Scheinbildung

: suchen sich besonders gerne mit fremden Ausdrücken auszuputzen. Daß Schrift-

> stellerinnen zuweilen Erstaunliches darin leisten können, dafür habe ich in meinem

Fremdwörterunwesen" S. 56 f. eine lehrreiche Probe gegeben. Aber auch beiGelehrten findet man zuweilen eine überraschende Vorliebe für den fremdenLaut. Wir haben gesehen, daß Rümelin durch Ausdrücke wie Brustkasten,' perzbeutel, Zwerch- und Rippenfell an das Schlachthaus erinuert wurde, daß

» ihm die fremdländischen Namengelehrter und vornehmer" klangen. Wird

denn aber die Sache anders, wenn man sie mit einem griechischen oder lateini-schen Namen benennt? IstVentriloquistik" mehr als Bauchredekunst? Ist!Extraction der Zähne", über welche Pros, polländer ein jedenfalls sehr ge-

! lchrtes Werk geschrieben hat, etwas anderes als das Ausziehen der Zähne?

Nnd welcher Unterschied besteht zwischen der Aunst des Ausstopfens und der^ Taxidermie oder Dianassologie oder Dermatoplastik? Nut bitteren Worten

geißelt Arndt diese Unsitte:Wenn ein sogenannter Gelehrter von seiner Wissen-schaft, ja wenn er nur von Aohl und Rüben und von schönem oder schlechtem

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