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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
Entstehung
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spräche und Schreibung den Gesetzen ihrer eigenen Sprache, d. h. sie machen siein den meisten Hallen zu Lehnwörtern. Wer merkt bei den französischenWörtern soupor, lnutönil, csnsnsllk, msrinAUö, Ian8c(UöN6t, boulkvm'ä, 6or6vi886,äticsukttö u. a., daß sie aus dem Deutschen entlehnt sind?*) Die erst vor kurzemeingesührten neuen Begriffe boe und cbops inachen einen ganz französischenGindruck, nicht nnnder die in die Sprache des gemeinen Volkes übergegangenenAusdrücke, wie triebt, (Frühstück), 8pi.8pout (Spitzbube); und dasselbe gilt vonden wissenschaftlichen Kunstwörtern wie inökitplhssnsntz, cioAmMchue, Ktowion,ciioc-686 u. s. w. Dieselbe Erscheinung finden wir im Englischen. Die vonGildemcister S. 98 angeführten englischen Fremdwörter nri8tc>6rn6F, inzwpz?, pro-vnriention, svolution n. s. w. haben sich inr Sprechen und Schreiben der Landes-sprache gefügt. Obgleich das Englische eine Buschsprache ans dem Germani-schen und Romanischen ist, haben es doch die Engländer besser als die Deutschenverstanden, die romanischen Bestandteile ihrer Sprache dem germanischen Grund-charakter derselben anzupassen; namentlich vermeiden sie die den germanischenSprachen so völlig widerstrebende Betonung der letzten Silbe. Nicht anders istes im Italienischen. Wer vermutet deutschen Ursprung bei den italienischenWörtern moncliiMc», bnnäilo, paltrono, tro^un, o-ontnlous, 86itrnmu66i<i,?**) Undwenn man Namen hört, wie 6nribn>cii, Oirimnlcli, Ninborto, ^blobrnnämi,UliK'kiöri, so denkt man schwerlich daran, daß das echt deutsche Namen***)sind in italienischer Umformung.

Die Russen, die ihre Kultur hauptsächlich ans Deutschland erhalten haben,mußten natürlich auch deutsche Wörter ausnehmen, obgleich nicht viele. Aberauch hier gewahren wir dieselbe Erscheinung. Die deutschen Wörter verändertenihre Gestalt meist derartig, daß man sie kaum wiedererkennt. Welches deutscheWort ist wolc8nl? Ulan wird schwerlich heranslesen, daß es unserWartesaal"ist. b'Ävvrb ist Feuerwerk, A-illräa« Halstuch, torstor Borreiter und dergl.

Trotz dieser größeren Anpassung des fremden Sprachgutes an das eigenesind aber doch andere Völker gegen die häufige Anwendung solcher entlehntenWörter überaus empfindlich. Ich kann mich mit dieser Behauptung aus einenZeugen berufen, der von unseren Gegnern sicherlich anerkannt wird, aus Gilde-meister selbst, der als trefflicher Kenner des Französischen und Englischen ausdrücklichhervorhebt, daß im Französischen die Wiederkehr solcher Ausdrücke den feinerenGeschmack verletze, daß der durchschnittliche Engländer bei allzuhänfigem Ge-brauche bei sich denkebau»- l,bs.86 toroi^n tsrm8 !", ja, daß auch den litterarischgebildeten Engländer solche Wörterals Fremdlinge anmuten", daß man an

*) Sie sind entstanden aus: Suppe, Faltstuhl (woraus unser jetziges Feldstuhl), Knödel,lllehringen (ein Dorf bei Trier), Landsknecht, Bollwerk, Krebs, stecken.

**) Sie sind entlehnt aus: lltundwalt (Vertreter einer Frau), Baun, Polster, Treue (alt-hochdeutsch trirva, woraus auch französisch trüvs), altdeutsch Anncltano ^ Uriegsfahne, schirme»,(aus dein italienischen eearamuoelu ist wiederum unser Scharmützel entlehnt; vergl. viet. peh»,Italien, S. 2;v f.).

***) Der Speerkiihne (Zsr balt, jetzt Gcrbcl), Grimwald, punibrecht, Alt Brand, Adalger.