kriegen ermattete gar bald, Zn der Zeit der Abspannung, die ans jene großenTage folgte, erlahmte der deutsche Gedanke und mit ihm der Tiser für dieMuttersprache. Tinen neuen Anlaus zeigten die Zahre jbq.8 und ^8q.ß, aber demvielverheißenden Ansange folgte kein entsprechender Hortgang. Als jedoch dielang ersehnte nationale Tinigung endlich zur Wirklichkeit wurde, als auf demBoden Frankreichs der deutsche Aaiserthron glänzender als je wieder anfgerichtetwurde, da erhob sich auch sofort wieder der Ans nach Säuberung unsererSprache von dem entbehrlichen fremden Flitterkram, und je mehr seit dieserZeit mit der wachsenden Macht unseres Vaterlandes auch das Selbstbewußtseindes Deutschen erstarkte, um so nachhaltiger wurde diese Bewegung. Währendfrüher immer nur einzelne Männer voll Begeisterung für ihr Volkstum dieAechte der Muttersprache verfochten, finden jetzt diese Bestrebungen in denbreiteren Volksschichten begeisterten Anklang. Za man darf geradezu von einerÄnderung der öffentlichen Meinung sprechen.
Ts gilt jetzt nicht mehr, wie früher, als Beweis feinerer Bildung, wennjemand mit Vorliebe Fremdwörter gebraucht, weit eher sieht inan darin einZeichen von Halbbildung, die ihre innere Hohlheit unter einer schillerndenAußendecke verbergen möchte. Und, was besonders wichtig ist, auch die leitendenUreise haben sich dieser nationalen Bewegung angeschloffen. Ts bleibt ein un-verwelkliches Auhmesblatt in dem Threnbuchc unseres H>ostwesens, daß indiesem Fache zum ersten Male eine durchgreifende Säuberung der Sprache vonallen entbehrlichen Fremdwörtern durchgeführt wurde. Dieses Vorgehen, welchemübrigens laut einem in dem Deutschen Sprachwart (Bd. ß S. veröffent-lichten Briefe Stephans ein ausdrücklicher Befehl unseres großen Reichskanzlerszu Grunde lag, wurde von der größten Bedeutung. Stephan zeigte durch dieThat, daß eine maßvolle Sprachreinigung recht gut durchsuhrbar ist, wenn mannur will. So sehr auch anfangs die Anhänger der alten Zopssprache dagegenschrien, — in kurzer Frist hatten sich die neuen Hostverdeutschungen eingebürgert,allen bösen Voraussagungen zum Trotze: wer denkt jetzt noch an jdoste-restante-Briese, an recommandierte Sendungen, an Txpreß-Bestellung?„H>ostlagernde" Briese, „eingeschriebene" Sendungen, Bestellung „durch Tilboten"sind überraschend schnell in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen: esist eben Fleisch von unserem Fleische! Dem Beispiele der Hoft folgte inan baldin anderen Zweigen des öffentlichen Lebens nach. Vor allem ist hier der Neu-ordnung der Rechtspflege in Deutschland durch die großen Reichsgesetze zugedenken, durch welche viele Hunderte von Fremdwörtern aus ihrem früherenBesitzstände verdrängt worden sind. Während vorher die Sprache des Rechtsmehr lateinisch als deutsch war, ist jetzt endlich im deutschen Rechte auch diedeutsche Sprache zu ihren: Rechte gekommen. Auch aus eurem anderen Ge-biete, das früher völlig unter dem ^Banne des Auslandes stand, in der Hceres-sprach e sind hoch erfreuliche Anfänge zur Besserung gemacht worden. Zn denvon dem großen Generalstabe herausgegebenen kriegswissenschaftlichen Werkenfind früher übliche Fremdausdrücke je länger je mehr durch deutsche ersetzt