Die ältesten noch erhaltenen Glasgemälde, angeblich derMitte des 12. Jahrhunderts angehörig, stehen zu Rivenhill in Essex;sie stammen aus Chenu in Frankreich ').
Während Warrington die Ueberbleibsel eines Teppichfeldes ausder Kirche zu Brabourne (Kent) als die früheste Glasmalerei Englandsbezeichnet und erst nach diesen die Reste des Jesse-Fensters zu Yorkin die Zeit um 1200 setzt, verweist Westlake einen König aus dem letzt-genannten Stammbaum in das Jahr 1170. Ein angeblich gleichalterigesFragment eines Jesse-Fensters zu Canterbury, von Winston noch ange-führt, ist nicht mehr vorhanden * 2 ).
Wie die französischen Glasgemälde, so können auch die eng-lischen nur eine beschränkte Berücksichtigung beanspruchen; denn auchin England befanden sich in fast allen Kirchen Glasmalereien des14. Jahrhunderts; wenigstens schmückte Grisail die Fenster, so beliebtwar dieser Kunstzweig geworden.
Canterbury 3 ). Bereits 1130 war der 1174 durch Feuer zerstörteChor vom Prior Ernulf, einem Franzosen, verglast worden. Die heutigenFenster im Lichtgaden des Chors wurden 1861/62 nach alten Resten vonMr. George Austin angefertigt, sie enthalten die Vorfahren Christi. Inden drei östlichen Fenstern sind Bruchtheile der alten Füllungen, ineiner Reihe anderer alte Bordürenreste. Alt sind ferner die Gestaltendes Sem und des Isaias in den ersten östlichen Fenstern des nörd-lichen bezw. südlichen Chor-Transseptes. Sie erinnern an die Arbeitenvon Chartres und dürften dem Anfang des 13. Jahrhunderts angehören.
Von den 12 Legendenfenstern, deren Inhalt in einem Manuskriptzu Oxford niedergelegt ist, stehen im nördlichen Chorumgang nurnoch zwei; in einem 14 Medaillons an der ursprünglichen Stelle, indem andern nur 7, Vorgänge aus dem Leben des Herrn nebst Vor-bildern; die übrigen, theilweise allegorischen Inhalts, sind aus andernFenstern hierhergesetzt.
*) Westlake, I, 119. Notes on Remains of Ancient dass in the Chttrches ofRivenhill etc. by Andrew Hamilton. Essex Archeol. Society at Witham 1S79. —Hamilton erwähnt, dass Glasmacher in Colchester im 13. Jahrhundert ihr Gewerbebetrieben, nämlich Robert le Verrer 1295 und Matthew le Verrer im Jahr 1300; sicwurden für ihr Glaslager besteuert.
2 ) 11 r o w n e, Ilistory of York Cathedral, pl. 123. — Winston, C., On thePainted Glass in the Cathedral and Churches of York. Procecdings of the Archeol.Inst, at York 1846, p. 18.
3 ) Genaue Aufzählung der Fenster in Notes on the painted glass in CanterburyCathedral with plates by Rev. F. W. Farrar, dean of Canterbury 1897. — Vergl.auch Westlake, Winston, Warrington. — Sumner, Antiquities of Canter-bury. London 1640; II. Attsg. 1703. — Willis, Archilect., Ilistory of CanterburyCathedral, London 1S45. — Gostling, Walk in and about the City of Canter-bury, 1SS5.