Neben den bürgerlichen Glasmalern beschäftigten sich jedoch auchdie geistlichen Künstler noch in unserem Fache.
Anno domini MCCCXXXIII sub regimine Volkwini comparatumest hoc opus a fratre Ottone dicto Greslino de Ratisbona,so lautet die Majuskelschrift, welche wir am Rande einer etwas ver-blassten, auf Wollpapier ausgeführten Farbenskizze lesen. Der Entwurf,eine Arbeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts, heute im Erhardihausezu Regensburg aufbewahrt, ist jedenfalls nach dem Original gefertigt undstellt den schlafenden Jesse, den Propst Volkmarus als Donator, sowiein Medaillons die Verkündigung, die Geburt und die thronende Mariamit Kind nebst vier Prophetenköpfchen dar. Das Fenster stand imPrämonstratenserkloster Speinshard. Unser kunstreicher GlasmalerOtto, genannt Gr es 1 in, lebte zur Zeit des Bischofs Nicolaus von Stacho-witz zu Regensburg; vermuthlich war er in einem dortigen KlosterLaienbruder, wenn er nicht, wie Schuegraf einschaltet, ein Priester desOrdens der Minderen war, welche sich gewöhnlich statt Pater aus De-muth Frater nannten. Vielleicht war er der Lehrer und Meister desWenceslaus lector, dessen Bildniss auf einem Fenster des National-Museums zu München bereits erwähnt wurde *). Schuegraf hält diesenOtto für einen Sohn des Rathsgeschlechtes Heinrich des Gresslin, welcherin zwei Bürgerstatuten vom Jahre 1307 und 1312 und sonst öfter mitseinem gleichnamigen Sohne vorkommt. Noch im Jahre 1425 that sichder Pfarrer von Hollabrunn in der edlen Glasmalerkunst hervor * 2 ). InRegensburg lebten ausserdem die bürgerlichen Glaser HeinrichChraft, Baldwein der Glaser 1361, Eberhard der Vaessler 1371, HeinrichMengeri372, sowie Niklas der Maler 1373, der gegen vier Pfund Pfennigealles alte Glaswerk am Dom zu unterhalten und auszubessern hatte 3 ).
Zu Strassburg i. Eisass fertigte 1348 Johann von Ivirchheimdie gemalten Fenster der Katharinenkapelle.
In Metz lebte Meister Hermann aus Münster, Maistre Harrnanle valrier de Munster en Waistefalle; sein Hauptwerk, die grosse Rose,fällt in die Zeit zwischen 1381 —1392 ■, in letzterem Jahre starb derMeister und erhielt sein Grab im Münster. Näheres über den west-phälischen Meister bei Kraus, Elsass-Lothringen.
In Reichenbach malte Mönch Engelhard die Fenster des Kreuz-ganges.
') Vergl. Abbildung u. Beschreibung Oidtmann, Zeitschrift für christl. Kunst1897, Bd. X, S. 85/86.
2 ) Alb. Hg, Zur Geschichte der altern Glasindustrie in Wien. S. 247, Mitlh.des K. K. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie, III. Band, 1871.
3 ) Vergl. A. Niedermayer, Künstler und Kunstwerke der Stadt Regensburg,Landshut 1857, S. 37.