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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Feuer gehabt haben, weil bei dieser optischen Mischung das Grau die Niiancen diesesTones nicht von der stärkeren oder schwächeren Durchlässigkeit der Schaltirfarbe,sondern nur von den gegenseitigen Abständen der schwarzen und der weissen Glas-punkte abhängen. Enger gekreuzte, breite Striche werden ein dunkles Grau geben,dünnere, mager gezogene Linien und grössere Zwischenräume einen hellem Ton. DieTechnik des Grisails ist in allen Jahrhunderten die gleiche geblieben; nur die Formenhaben ihren Stilcharakter verändert ').

In dem Ornament der Grisailfenster spielen besonders Ep heu,Disteln, Eichen, Weiden, Linden, Dolden und Weintrauben eine hervor-ragende Rolle. Neben den stilisirten Ranken und Blättern findet manphantastische Fratzen und Laubverschlingimgen, sowie geometrischesLinienspiel mit flachen Blattverzierungen durchwebt.

In der denkbar verschiedensten Anordnung verbreitet sich dasOrnament über die Fläche, wobei in Deutschland fast stets das richtigeVerhältnis zwischen Grund und Zeichnung gewahrt bleibt, indem dielichten Arabesken vor dem schraffirten Hintergründe vonvalten. Willman verschiedene Arten unterscheiden, so hätten wir in Deutschland,abgesehen von einigen wenigen, nur aus geometrischen Band- oderFlächenornamenten bestehenden Mustern, zunächst Grisaillen, bei welchensich das Pflanzengewinde bald in zierlichen, bald in kräftigen Formenüber die Lichtöffnung spinnt; entweder entwickeln sich von einemmittlern Stamme aus die einzelnen Zweige symmetrisch nach beidenSeiten, oder eine bezw. mehrere Hauptranken wachsen in den ver-schiedensten Windungen und Verschlingungen im Fenster empor.Prächtige Beispiele sind in Heiligenkreuz und Altenberg erhalten.Die nächste Art wäre eine Verbindung des Pflanzenschmucks mitgeschmackvoll verschlungenem Bandwerk; auch hierin bietet Deutschlandansprechende Muster, da nur selten das Bandwerk die Ueberhandgewinnt; ein immerhin noch gefälliges Beispiel letzterer Art aus demAnfang des 14. Jahrhunderts in der Stiftskirche St. Florentius zu Nieder-hasslach i. Eisass. Vielfach wird durch schmale Bänder das ganzeFeld in geometrische Flächen, in Kreise, Segmente und Pässe einge-theilt; innerhalb dieser entwickelt sich das Blattwerk selbständig, ohneüber den Rahmen des betreffenden Theiles hinauszugehen, bald ingrossen, stilisirten, die ganzen Formen ausfüllenden Blättern, bald alszierliches Rankengewinde. Und als vierte Art endlich möchten wirjene Form bezeichnen, bei welcher die pflanzlichen Ornamente jenegeometrischen Unterabtheilungen der Felder unbekümmert um dasBandwerk überschreiten.

Verschieden von den deutschen, grauen Glasteppichen sind diefranzösischen Grisaillen, vornehmlich durch ein zu starkes Vor-herrschen des Bandgeflechtes vor dem obendrein etwas klein gehaltenen

') Vgl. Dr. Oidtmann I. a. a. <). S. 41 u. f.

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