Druckschrift 
2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

durch Mattirung einförmig gewordene GrisailHäche mit Glanzstreifen undGlanzpunkten zu beleben. Von dem Kinlluss der verschiedenen Schwarz-loth-Mischung auf den Ton der Grisaillen war bereits oben die Rede.Der Glasschnitt ist, da er sich nicht genau nach den einzelnen Tonnenzu richten braucht, ziemlich einfach, läuft jedoch in der Regel nach denHauptlinien des Musters und macht deshalb manchmal sonderbareBiegungen; an andern Fenstern ist das Glas rauten- oder blattförmiggeschnitten, wobei das Muster sich in jeder Raute wiederholt.

Das hell gehaltene Blattwerk ist in seinen Umrissen kräftig kon-turirt: kurze, bestimmte Striche zeichnen die Blattrippen und die zurErzielung der nothwendigen Deutlichkeit erforderlichen Schatten ; zuweilen,z. B. in Heiligenkreuz, ist auf den Ranken und Blättern ein graueroder bräunlicher Schattenton in dünn aufgetragenem Schwarzloth ange-bracht. Das Bandwerk und die einzelne Blattgruppen einfassendenBinden sind vielfach gemustert, meist geperlt.

Nur vereinzelt liegt das scharf umrissene Blatt- und Ranken-gewinde, welches sich in der mannigfaltigsten Weise entwickelt, aufblank gehaltenem Grunde auf, so an verschiedenen Hochfenstern zuAlten berg; meist ist der frei bleibende Grund zwischen den Ranken,Bändern und Blumen getont, ausnahmsweise mehr oder weniger leichtmit grauem oder bräunlichem Schwarzloth überzogen alte Fensteraus Dausenau; ganz schwarz gedeckt an mehrern eigentlich schon zuden farbigen Teppichen gehörenden Beispielen zu Hersfeld, Mar-burg, Strassburg u. a. ln der Regel sind die Zwischenräume mitgleichlaufender oder bald rechtwinkeliger, bald rautenförmiger, unregel-mässig gestellter Kreuzschraffirung bedeckt. Nicht selten ist der gleich-massige Ueberzug punktförmig in einem Masswerk aus Dausen auoder nach Art der Schraffirung radirt; ein auch in Erfindung und Zeich-nung ausgezeichnetes Muster letzterer Art bewahrt ein kleines, höchstmerkwürdiges Grisailfenster im Treppenaufgang zum Archiv der Elisa-bethkirche zu Marburg.

Vorzüge der Schraffirung vor der gl e i ch m äs s ige n Innung.

Es hält schwer, den durch glattes Vertreiben einer flach aufgetragenen grauen f arbegetonten Hintergrund eines Grisailteppichs gleichmässig herzustellen, da bei dem durchdie verschiedene I.age der Glasstücke im Brennofen bedingten Unterschied des Hitze-grades der graue Ueberzug sich in unberechenbarer Weise verändert Dagegen werdendie Striche der Schraffirung mit Deckschwarz so stark aulget ragen, dass selbst nachdem Einbrennen die einzelne Einie noch volle Deckkraft behalten hat. Auf demGlase stehen jetzt das Schwarz und das Weiss in so schmalen Streifen oder in sokleinen Punkten nebeneinander, dass das Auge auf einige Entfernung diel'arben nichtmehr zu trennen vermag, dass vielmehr die schwarzen Einicn mit den zwischen-liegenden weissen Zwischenräumen auf der Netzhaut des Augengrundes ineinander-iliessen und ein klares, schönes, gleichmässiges Grau bilden. Dieses Grau bleibt sichauf allen Grisailstlicken des Fensters gleich, mögen dieselben starkes oder schwaches