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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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und ganz gewahrt haben. Beim Betrachten des Nürnberger Volkamer’schenFensters, der Kölner Domfenster und anderer Arbeiten der spätenGothik werden die landschaftlichen Hintergründe sowie die sorgfältigdurchgeführten Einzelheiten den Gesammteindruck nicht stören. Auchdie noch jüngern Werke Augustin Hirschvogel’s in der Imhof sehenKapelle auf dem Rochusfriedhofe zu Nürnberg sind herrliche Leistungenunserer Kunst, wenn auch grundverschieden von den romanischen undfriihgothischen „licht- und gluthdurchwirkten Teppichen,“ so doch ihnenvollkommen ebenbürtig.

Und wie sehr sich die Behandlung dem Urstoff anpassen muss,lehren uns alle bildenden Künste. In der Baukunst war das Materialmassgebend für die Formen, Haustein und Sandsteinbau unterscheidetsich wesentlich vom Backsteinbau. Noch deutlicher bestätigen uns diesenGrundsatz die Werke der Plastik; anders ist die Sprache der Technikbei Eisen-, Silber- und Bronzearbeiten, wie bei den Holzschnitzereien,wieder anders bei Stein- und Marmorbildnerei. Wie verfehlt hier Ver-gewaltigungen des Stoffes sind, zeigen die aus Marmor herausgemeisseltenSpitzen und Blumen auf den reichen Denkmälern des Mailänder Kirch-hofes.

So lange das Glasgemälde sich in den von dem Urstoff und vonder Technik gezogenen Grenzen bewegt, kann in der Zeichnung manchesgewagt werden, ohne dass dadurch störende Illusionen erweckt werden.

Die Glasmalerei der Alten hat ihren eigenen, dem Material undder Technik angemessenen Stil, der in jeder Epoche zwar die Zeichnungändert, ohne jedoch in seinem innersten Wesen besonders beeinflusstzu werden.

Eine alte Pergament-Urkunde in ihrem kräftigen Material, mitihren markigen, knorrigen, jedoch charakteristischen Schriftzeichen muthetuns ganz anders an, als eine noch so künstlich und peinlich durch-geführte, mit ängstlicher Sorgfalt ausgefertigte „Adresse“ auf tadellosglattem Kanzleipapier mit ihren nüchternen, gleichförmigen Buchstaben.Aehnlich ist die Wirkung alter Glasgemälde. Trotz der ungeschicktenZeichnung oder vielleicht gerade wegen derselben sind die alten Denk-mäler grossentheils von vortrefflicher Wirkung; die unbeholfenen, steifenFormen passen vollständig zum Material und zur Technik der Glas-malerei. Bei diesen Malereien mit Glas begegnen sich Stil, Technikund Urstoff trotz grösster Mannigfaltigkeit in überraschend wirkungs-voller Einheit. Gerade aus der Technik der Fenster und aus ihrerBestimmung heraus hat sich ihr charakteristischer Stil entwickelt. Tüchtigin der meist willkürlichen Vertheilung und unregelmässigen Anordnung,fein in der Abwägung der gegenseitigen Verhältnisse zwischen figür-lichem und ornamentalem Schmuck, setzt der Glasmaler seine Strichefrisch und frei, scheinbar unüberlegt und sorglos auf das Glas, unbekümmert

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