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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Hierzu tritt beitveissen Gläsern eine weitere Veränderung. Ks isteine bekannte Thatsache, dass griinlich-weisses Glas von schlechterQualität durch längere Einwirkung der Sonnenstrahlen eine leichteFärbung annimmt; es wird gelblich, leicht röthlich, zwiebelschalenähnlich,rosa oder violett in allen Abstufungen. Da vereinzelte Stücke ihrenStich ins Grünliche beibehalten, die übrigen aber in allen Tönenschillern, so entsteht eine herrliche Gesammtwirkung, ein schillernderPerlmutterglanz, der viele alte Grisaillen, Butzen- und Kunst-verglasungen auszeichnet; ausnehmend schön sind alte Rautenfelder inder früheren Burgkapelle, heutigen Pfarrkirche zu Ehrenstein. DieseVeränderungen im Glase dürften wohl auf Oxydationsvorgänge zurück-zuführen sein, welche die metallischen Bestandtheile des Glasgemengeszersetzen.

,,Bei anderen Gläsern zeigt sich bei starker Vergrösserung schondeutlich eine sehr fein zertheilte Schicht ausgeschiedener Kieselsäure,ohne indessen den gewünschten Grad des Durchscheinens noch zubeeinträchtigen. Auf allen übrigen befand sich ein mehr oder minderstarker Anflug oder Ueberzug, die Fläche entweder ganz oder nurstellenweise überziehend, von weisser, weissgrauer, gelblicher,röthlicher bis fast dunkelbrauner Farbe. Dieser Anflug oderUeberzug hat bei vielen ein flechtenartiges Ansehen, und der nicht auf-merksame Beobachter sollte wohl glauben, er habe es hier mit niederenPflanzen-Organismen zu thun '). Man bemerkt viele feine Quer- undLängenstriche * 2 ) und zahlreiche Grübchen, die mehr oder minderdicht zusammengehäuft stehen, entweder leer oder mit weisslichem,grauem oder bräunlichem Pulver gefüllt, das die Höhlung entwederdicht verschliesst, zuweilen auch bei der blossen Berührung mit derSpitze des Federmessers schon herausfällt.

Nach Abschaben des Ueberzuges, der meistens fest anhaftet, istdie Oberfläche bald glatt, bald matt und angegriffen, nicht selten gekörntwie Cementverputz; letztere Erscheinung, welche zwei gothische, bereitsvon Geerling 3 ) veröffentlichte Figurenfelder aufweisen, lässt auf sehrleichtflüssiges Glas schliessen. Ausser der mattweissen Inkrustirung,welche die alten Gläser überzieht, verrathen geschlängelte, ausgefressene

J ) Z. B. Winst on, Hints S. 20 u. 279 Anm. ; auch Viollct-le-Ducspricht von moosartigem Belag auf alten Gläsern der Kathedrale zu Chartres IX, S.448 Anm.

2 ) Diese feinen Sprunge zeigen sich an Renaissance-Fenstern (1595) aus derBurgkapelle zu Ehreshoven; einzelne mit Silbergelb bemalte Stücke sind mitTausenden feinen Haarrissen überzogen, deren Zwischenräume sich vereinzelt abge-blättert haben.

3 ) Geerling, Christ., Sammlung von Ansichten alter enkaustischer Glas-gemälde etc. Köln 1S27.

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