denn doch nicht war. Das grosse Gericht Salomo’s zeigte allerdingseine kalte, nüchterne Farbenstimmung, aber diese Härte liegt an derursprünglich fehlerhaften Farbenzusammenstellung, an der ganzen Anord-nung des Fensters, dessen zum Theil schreiende Farbenflächen in ihrerEinförmigkeit mangelnden Farbensinn des Verfertigers verrathen, wennman nicht die Farbenwahl den viel späteren Restaurationen zuschiebenwill, denen dieses Fenster ausgesetzt war. Hier hatte die starke Schmutz-schicht die aufdringlichen Farben vortheilhaft zurückgedrängt, währendbei dem folgenden Fenster bessere Farbenstimmung die fehlende Patinaso schwer nicht vermissen lässt. Wie es mit den später gereinigtenFenstern steht, entzieht sich unserem Urtheil.
Wir betreten ein gefährliches Gebiet, denn für und gegen diePatina sind allenthalben gewichtige Stimmen laut geworden, nicht allemit gleichem Verständniss. Fs ist deshalb schwer zu sagen, was bei derverworrenen Unklarheit des Begriffes gewöhnlich unter Patina ver-standen wird; leichter ist die Erklärung, woraus sie in Wirklichkeitbesteht.
Die eigentliche Patina der alten Glasgemälde beruht auf einerwirklichen Veränderung hauptsächlich der äusseren, nichtselten jedoch beider Glasoberflächen; dazu gesellt sich eine mehr oderweniger dicke Schicht von Staub, Rost und Schmutz.
Wenngleich wir bei der 'Wiederherstellung von Glasgemälden allerStilperioden und bei eingehender Besichtigung zahlreicher Denkmälerdas Wesen der Patina auf’s gründlichste untersucht haben, so legen wirtrotzdem diesem Abschnitte die Ausführungen eines älteren Forschers zuGrunde, einmal weil die Ergebnisse seiner Untersuchungen sich imwesentlichen mit den unserigen decken, ganz besonders aber aus demGrunde, weil wir es für eine Ehrenpflicht halten, die verdienstvollenArbeiten jenes Mannes, auf die wir zufällig stiessen, in einem Fachwerkfestzulegen und so der Verborgenheit zu entreissen.
Paul Frank 1 ) beobachtete an den Chorfenstern des KölnerDomes — in situ — alle Stadien eines langsam fortschreitenden Ver-witterungsprozesses. „Einige Gläser waren gleichförmig trübe,angelaufen, hier und da irisirend, Hessen aber unter der Loupenoch keine Ausscheidung irgend einer Substanz oder Anhäufung der-selben an einzelnen Punkten bemerken •, sie hatten gerade jene gedämpfte1 ransparenz, wie sie der Künstler nur immer wünschen mag, um beieinfallendem Lichte Farben und Darstellung in der vortheilhaftestenBeleuchtung zu zeigen.“
Diese Gläser waren nur leicht angehaucht, bloss ihres Glanzesberaubt und schwach mit allen Farben des Regenbogens überzogen.
‘J Kölner Domblatt, 1846, Nr. 22.
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