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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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erkennbar ist, so auch bei romanischen, früh- und spätgothischen Glas-fenstern für jede Stilperiode eine bestimmte Färbung geltend, derenGesammtstimmung noch durch nationale oder provinzielle Verschieden-heiten beeinflusst wird. Bei aufmerksamem Vergleichen der alten Denk-mäler wird man diese Beobachtung bestätigt finden, und ein eingehendesStudium in dieser Richtung ist zur Erreichung befriedigender Farbenwahlfür die Bedürfnisse der Jetztzeit unumgänglich nothwendig. Das reiche,wechselvolle Farbenspiel alter Glasgemälde auch nur annähernd mitWorten zu schildern, ist unmöglich.

An dieser Stelle sei es uns gestattet, die vielfach kritiklos nach-geschriebenen Ausführungen des sonst um die Glasmalerei hochver-dienten V i ollet-1 e-D u c über die Lichtstrahlung der Farben-gläser etwas näher zu beleuchten.

Bekanntlich erscheint ein aus schwarz überzogenem, weissen Glase heraus-radirtes Muster bei einiger Entfernung grösser, als es in Wirklichkeit ist, da einWeiterstrahlen des Lichtes über die Ränder hinaus stattfindet. Viollet-le-Duc hat nunähnliche Versuche mit Farbgläsern angestellt und gelangte zu dem Ergebniss, dassdurch blaues Glas hindurchdringendes Licht die Ränder des Musters ttberfluthet undder nächsten Umgebung einen bläulichen Schimmer verleiht, während das bei Roth,Gelb und den Mischfarben mehr oder weniger bezw. gar nicht der Fall ist. DerSättigungsgrad einer Farbe und ihre Helligkeit sind mitbeslimmend für die Stärke derUeberstrahlung; je weniger satt und tief z. B. das Blau, desto weniger breit schäumtdas blaue Licht über, und umgekehrt. Da die Ausstrahlung bei Blau am stärkstenist, so überschwemmt dieses bei gleicher Helligkeit und gleicher Stärke die andernFarben und musste unter solchen Umständen die Gesammtfarbensiimmung stören.Besonders verderblich ist der Einfluss des Blau auf Roth, diese beiden Farben ver-mischen sich miteinander, aber nicht auf Kosten des Blau, sondern immer auf Kostendes Roth.

Viollet-le-Duc hat den Glasmalern des 12. und 13. Jahrhunderts die Kennlnissund die Anwendung von Kunstgriffen zuerkannt, mittelst welcher sie diesen Uebelstandzu verhüten suchten. Diese Technik bestand erstens im Eindämmen der über-strahlenden Farbe, in Verminderung ihres Umfanges unter gleichzeitiger Trennung vonder andern durch Schwarz oder einen weisslichen Ton und zweitens in Verstärkungder andern Farben, in Vermehrung ihrer Leuchtkraft.

Das erstere erzielte der alte Glasmaler angeblich durch eine Bemalung desblauen Glases, indem er die Fläche des ausschweifenden Blau einengte und zugleicheine Isolir-Schicht zwischen dem Blau und seinen Nachbarfarben einschob. Diesekräftig von Schwarz eingefassten und zugleich in der Mitte etwas abgedeckten blauenTheile verloren dadurch viel von ihrer überschäumenden Kraft, so dass sie nicht nuran ihrem färbenden Werth einbüssen, sondern auch die aufgetragene Zeichnung nichtmehr scharf hervortreten lassen. Das mag für einzelne harte Töne stimmen ; viel-fache Beobachtungen haben uns im übrigen die obige Ansicht nicht bestätigt. Manbetrachte nur den schweren Damast auf blauem Hintergrund, ja selbst die zarten, ausfeinem Ilalbton herausradirten Arabesken, um die Unhaltbarkeit dieser Theorie soforthandgreiflich wahrzunehmen. Man begleite uns an die spätgothischen Fenster inSt. Magdalena zu Strassburg im Eisass, deren in allen Fenstern gleicher blauer

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