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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Schon hei einer Hitze, welche das Glas noch nicht weich zumachen im Stande ist, vermag das Kunstgelb das Glas zu färben; beihöherer Temperatur wird die Färbung stärker, da das Silber tiefer unddeshalb in grösserer Menge in die Glasmasse eindringt. Zu starkesErhitzen ist zu vermeiden, da sonst der Thon leicht anhaftet. DieFarbenstärke des Silbergelb ist ausser von dem Hitzegrad einestheilsvon dem prozentischen Silbergehalt des Thonbreies, anderntheils undzwar sehr bedeutend, von der mehr oder weniger grossen Empfänglichkeitder verschiedenen Glassorten für den Silberniederschlag abhängig. AlleAbstufungen der Goldfarbe lassen sich erreichen vom hellsten Citronen-bis zum tiefsten Orangegelb, und gerade diese Mannigfaltigkeit in derReihenfolge der Töne bewirkt die reizende, durch nichts zu ersetzendeWirkung.

Die Anwendung des Silbergelbs rief, wenn auch anfangs nurstellenweise gebräuchlich, im 15. und 16. Jahrhundert wesentliche Ver-änderung in der Technik hervor. Der Glaser brauchte nunmehr diegelbe Farbe nicht durch Einbleien gelber Glasstücke herzustellen, sonderner konnte auf farblosen Gläsern nach Belieben Gelb anbringen, unddazu noch in den zartesten Abtönungen. Er benutzte in der Spätzeitder Gothik die Silbergelb-Technik meisterhaft zur Herstellung vonHeiligenscheinen, von goldigen Haaren: er verzierte helle Gewändermit goldigem Damast und die Säume mit reichem Goldschmuck, erbelebte die gläsernen Architekturtheile und landschaftlichen Einzel-heiten mit wirkungsvoll abgestimmten Silbergelb-Flecken. Schon frühim 14. Jahrhundert gelangt das Silbergelb bei Grisaille-Fenstern zurVerwendung, wo es bei mässiger Anwendung von wohlthuender Wirkungwar. Meistentheils wuirden Perlen, und in Pflanzen- und Ranken-Ornamenten Beeren, Dolden und einzelne überspringende Wein- undFipheu-Blätter, auch wohl stilisirte Thierleiber, Fratzen und Kronen,dekorative Buchstaben und Symbole mit Kunstgelb belegt.

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