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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Gebrauch gemacht, hier war erst das 15. und 16. Jahrhundert das Zeit-alter des Kunstgelb. Reichlichere und häufigere Anwendung fand bereitsim 14. Jahrhundert die neue Malfarbe in England, so in einemGrisaille-Fenster zu Stamford aus der Zeit um 1325, ferner in derKathedrale von Wells aus dem ersten Drittel bezw. der ersten Hälftedes 14. Jahrhunderts, im Kapitelhause zu York, sowie aus etwas spätererZeit Fenster im Münster und in St. Johns zu York ').

Die Zubereitung und Anwendung des Silbergelb ist eineganz andere wie beim Schwarzloth. Ein VertUissigungs- oder Schmelz-mittel, Blei- und Kieselgemenge, wie bei diesem, wird dem silberneneinbrennbaren Goldlack nicht zugesetzt. Die Alten bereiteten sich dasSilbergold für ihre Glasgemälde auf folgende Art: In einem Tiegelschmolzen sie Silberstückchen und Schwefel so innig durcheinander, dasssie pulverförmiges, schwarzes Schwefelsilber erhielten. Nach dem Er-kalten und Auswaschen wurde dieser Stoff mit der zehn- bis zwanzig-fachen Menge gebrannten Lehmes oder Ockers vermischt und mit Wasserzu einer breiigen Masse verrieben. In späterer Zeit wurde an Stelledes Schwefelsilbers das Chlorsilber eingeführt und dasselbe statt mitLehm, mit feinkörnigem Thon angemengt. Ein solcher Silberbrei wurdeauf diejenigen Theile des Glases, welche man im Schmelzfeuer durch-sichtig vergolden wollte, auf der unbemalten (Rück-) Seite des Glasesetwa messerrückendick aufgetragen und nach dem vollständigen Trocknender Rothgluth ausgesetzt. Während im Brennofen auf der bemaltenVorderseite der Glastafel die Schwarzlothzeichnung durch Sinterung ein-brannte, saugte die Rückseite der Scheibe das verrauchende Silber deraufgetragenen Thonkruste gleichsam in sich ein und belegte sich miteinem als Lasur wirkenden Goldspiegel. Wendet man die I.asirung aufbeide Seiten des Glases an, dann sieht< das Glas aus wie in der Massegefärbt. Diese festsitzende Goldbeize, deren Färbung durch das inunzählig winzige Atome zerlegte Silber bewirkt wird, kommt erst zumVorschein, wenn nach dem Erkalten der Glastafel die silberhaltigeThonkruste durch Abwaschen, Bürsten oder Kratzen entfernt ist. Dasabgeputzte Thonpulver hat durch das Brennen keineswegs den ganzenSilbergehalt an die Glastafeln abgegeben, sondern noch eine ansehnlicheMenge behalten, so dass man mit demselben auf andern Gläsern vonneuem, wenn auch nicht so tieftönige Gold-Niederschläge zu erzeifgenvermag. Häufig bedeckt sich die Glasoberfläche beim Einbrennen miteiner Trübung, welche bei auffallendem Lichte wie ein bläulicher, perl-mutterartiger oder opalfarbener Schimmer erscheint.

') Westlake a. a. O. II, S. 10, 19, 22, 32, 42, 60.

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