und bei noch grösserer Entfernung immer einen hellen Lichtschimmerauf dem schwarzen Grunde erkennen lässt, so lange von der Glastafelüberhaupt etwas zu sehen ist. Diese Art der Technik, Schriften in derFarbe des Glases aus dem Dunkeln herausleuchten zu lassen, anstatt sieschwarz aufzumalen, finden wir bei Hartmann von Aue in seinemErec in einem merkwürdigen Vergleich wiedergegeben.
Als die Dame ihren halbtodten Geliebten erblickt, ergreift sieJammer und Verzweiflung; doch er erliegt seinen Wunden nicht, und nun
verkerte sich dem wlbe — ir herzen triiebe
als ein glas, der ’z wol schiiebe, — daz von swarzer varwe
bestrichen waere begarwe — so diu varweabe kaeme,
so wurde ez genaeme — und licht daz e vinster was.
sus wart ir herze ein luter glas, — der erren sorgen beschaben
unde wol ze lichte erhaben — mit unvalscher wltnne,
sam st nie leit gewänne.
Die Schatten gab der Glasmaler durch sorgfältige lineare Schraf-firung mit Schwarzloth, manchmal auch durch leichte Lavirung. "Wo erLicht haben wollte, liess er das Glas blank; die mehr oder wenigerfeinen Schattenstriche führte er in der V r eise aus, dass sie bald ganzdeckend, bald mässig dicht, bald fast durchscheinend erschienen; sohatte die Arbeit den Anschein, als habe er dreierlei Abtönungen vonSchwarz angewandt. Sehr deutlich konnten wir diese Technik an altenromanischen Fenstern aus dem freiherrlich von Stein’schen Schlosse zuNassau beobachten. Winston (HintS 329) versteht unter dieser VorschriftTheophil’s eine genaue Anleitung zur Herstellung eines gleichmässigenUeberzuges, einer leichten Lavirung ‘).
Nach Gutdünken brachte man auf Gewändern und Hintergründendamastartige Verzierungen an. Man grundirte das Glas nach demTrocknen der Hauptkonturen mässig stark mit Schwarzloth. War dieserUeberzug trocken, so radirte man zunächst längs den Hauptstrichenfeine, helle Linien heraus und nahm im übrigen mit dem Radirhölzchenso viel von der Grundirung weg, dass die hierdurch erscheinendenlichten Stellen allerlei Arabesken zeigten; auf gleiche Weise wurdezwischen den Buchstaben zartes Rankenwerk herausradirt. Der Damast
*) Cap. XX. De coloribus tribus ad lumina in vitro. — Umbras et luminavestimentorum, si Studiosus fueris in hoc opere, poteris eodem modo facere, sicut inpictura colorum, Lali modo. Cum feceris tractus in vestimentis ex colore praedicto,sparge etim cum pincello ita ut vitrum fiat perspicax in ea parte, qua luminam facereconsuevisti in pictura, et idem tractus in una parte sit densus, in altera levis, atquelevior cum tanta diligentia discretus, quasi videantur tres colores appositi. Quemordinem etiam observare debes infra supercilia, et circa oculos atque nares et mentum,ac circa facies juvenum, circa pedes nudos et manus et reliqua membra nudi corporis,sitque species picturae composita colorum varietale.
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